Eine Ministrantin mit Mundschutz hält den Leuchter bei der Messe zur Feier der Erstkommunion am 21. Juni 2020 in einer Kirche in Bonn.
Kein Verständnis für "Hobby-Virologen", die Jugendarbeit verhindern

Jugendseelsorger: Trotz Corona – lasst die Messdiener ministrieren!

Auch während der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie können Messdiener ministrieren – doch nicht alle Gemeinden lassen die Jugendlichen auch an den Altar. Das passt dem Kölner Diözesanjugendseelsorger nicht.

Köln - 30.04.2021

Der Kölner Diözesanjugendseelsorger Tobias Schwaderlapp fordert Gemeinden auf, im Rahmen der Corona-Schutzmaßnahmen den Altardienst von Messdienern zu ermöglichen. Gegenüber dem Kölner "Domradio" äußerte Schwaderlapp am Freitag, dass er kein Verständnis habe, wenn "Hobby-Virologen zuhause die Regeln nochmal verschärfen und gerade für Kinder und Jugendliche nochmal schwerer machen". Zwar würden auch während der Pandemie in den meisten Gemeinden Messdiener ministrieren, es gebe aber auch einige Gemeinden, wo seit über einem Jahr überhaupt keine Ministrantenarbeit, auch nicht am Altar, stattfinde. "Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz", betonte der Jugendseelsorger.

Im Erzbistum Köln gebe es für alle Gemeinden die "verbindliche Erlaubnis", Messdiener einzusetzen. "Lasst die Messdiener ministrieren, wenn es geht", sei der Appell des Diözesanjugendseelsorgers. Die Corona-Schutzmaßnahmen haben auch Auswirkungen auf die Ausbildung der neuen Ministranten. So gebe es an vielen Orten noch keine neuen Messdiener, nachdem Kommunionfeiern verschoben wurden. In der Regel beginnt der Ministrantendienst nach der Erstkommunion.

Auch der BDKJ fordert mehr Augenmerk auf Belange der Jugendarbeit

Schwaderlapp führte dagegen gute Beispiele an, wie in einigen Gemeinden die Messdienerausbildung trotz Corona möglich gemacht werde, etwa über Online-Gruppenstunden und Erklärvideos zum Ministrantendienst. Auch eine einfache Einbeziehung der Kinder in die Liturgie sei hilfreich, "selbst wenn sie in die komplexeren Vorgänge des Ministrierens erst später eingeweiht werden". Der Jugendseelsorger befürchtet, dass die Unterbrechung der üblichen Abläufe auch dazu führe, dass sich viele Jugendliche früher als unter normalen Bedingungen von der Jugendarbeit verabschiedeten. Zugleich hofft er, dass viele Jugendliche weitermachen und neu einsteigen. "Man hat die Sehnsucht nach Gemeinschaft", so der Priester.

Am Montag hatte auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mehr Augenmerk für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bei der Gestaltung der Corona-Schutzmaßnahmen gefordert. "Eine Öffnungsdebatte, in der Jugendliche erneut nur als Schülerinnen und Schüler vorkommen, ist aus Sicht des BDKJ nicht mehr tragbar", erklärte die Bundesvorsitzende Lisi Maier. Für den Sommer brauche es eine klare Willenserklärung der politischen Entscheider etwa zu Ferienfreizeiten von Jugendverbänden und gemeinnützigen Trägern. (fxn)