Hellgraues Priesterhemd mit eingestecktem Collar
Kurz vor dem Tod seinem Bischof offenbart

Priester heiratet auf dem Sterbebett Ex-Ordensfrau

Bis zuletzt war er gerne Priester – doch seit Jahren hatte der Genfer Seelsorger auch eine Lebensgefährtin. Auf dem Sterbebett hat er die ehemalige Ordensfrau nun geheiratet, wenige Tage vor seinem Tod. Jetzt hat die Witwe darüber gesprochen.

Genf - 10.05.2021

Auf dem Sterbebett hat ein Priester seine Lebensgefährtin geheiratet. Einem Bericht der Schweizer Zeitung "Le Matin Dimanche" (Sonntag) zufolge heiratete der Genfer Geistliche kurz vor seinem Tod Ende April noch seine langjährige Freundin, eine ehemalige Ordensfrau, in einer Zivilehe. Laut der Zeitung hatte der Priester die Beziehung zuvor seinem Bischof Charles Morerod bei einem Besuch anvertraut. Er habe eine "verwandte Seele", was ihn aber nie daran gehindert habe, sein Priesteramt auszuüben, gab der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg den Priester wieder.

Der 62-jährige Priester, der zuletzt eine große Seelsorgeeinheit in Genf geleitet hatte, sei mit der ehemaligen Ordensfrau dreißig Jahre lang befreundet gewesen, zunächst nur platonisch. Gegenüber der Zeitung sagte die Witwe, dass sie zunächst gezögert hatte, über die Beziehung zu sprechen. Wenn sie es nun tue, dann "in der Hoffnung, dass daraus weiterhin gute Früchte wachsen". In den letzten Wochen seines Lebens habe ihr Partner gestrahlt, als ob er ganz mit sich im Reinen gewesen wäre, so die Witwe.

Bischof mahnt Priester zur Ehrlichkeit

Bischof Morerod, der auch Konzelebrant beim Begräbnisgottesdienst des Priesters war, würdigte diesen für seine geleisteten Dienste vor allem als Krankenseelsorger. "Ich bin ihm dankbar für seinen Dienst als Priester", so Morerod gegenüber der Zeitung. "Am Schluss unseres Gesprächs hat er mir anvertraut, das Priestersein sei die schönste Mission der Welt", berichtete der Bischof.

In einem Schreiben an die Seelsorger seines Bistums vom Samstag, das dem Onlineportal "kath.ch" vorliegt, kündigte Morerod die Berichterstattung an und bekräftigte seine Wertschätzung. "Ich möchte diesem Priester noch mal meine Anerkennung für seine geleisteten Dienste aussprechen, die auch an seiner Beerdigung hervorgehoben wurden", so Morerod. Zugleich mahnte er jedoch zu Wahrhaftigkeit. Wenn ein Priester zur Einsicht gelange, dass er "nicht durchhalten" könne, solle er es dem Bischof "mit der Ehrlichkeit sagen, die unsere ganze Verkündigung des Evangeliums kennzeichnen sollte". (fxn)