Die Dormitio Abtei über der Altstadt in Jerusalem.
Die Abtei selbst sei bislang nicht von der Gewalt betroffen

Prior der Dormitio-Abtei erschrocken über Gewalteskalation in Nahost

Die jüngste Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hat die Dormitio-Abtei in Jerusalem nach Angaben ihres Priors schockiert. Zugleich betonte Pater Matthias Karl, dass das Kloster von den Konflikten bislang nicht direkt betroffen sei.

Jerusalem - 11.05.2021

Der Prior der deutschsprachigen Dormitio-Abtei in Jerusalem, Pater Matthias Karl, hat sich erschrocken gezeigt über die aktuelle Gewalteskalation zwischen Israel und den Palästinensern. Die rohe Gewalt auf den Straßen, die bereits viele Tote und Verletzte gefordert habe, schockiere die gesamte Abtei, sagte Karl am Dienstag auf Anfrage von katholisch.de. Der Konflikt verhindere eine positive Zukunft und nütze nur den radikalen Kräften auf beiden Seiten.

Zugleich betonte Karl, dass die Dormitio-Abtei bislang nicht von den Auseinandersetzungen betroffen sei. Rund um das Kloster in Jerusalem und das Priorat Tabgha am See Genezareth werde derzeit nicht geschossen oder demonstriert; auch von den Palästinensern abgefeuerte Raketen seien bislang nicht in der näheren Umgebung der beiden Klöster eingeschlagen. Gleichwohl musste sich die Gemeinschaft nach Angaben des Priors am Montagabend erstmals während des aktuellen Konflikts nach einem Raketenalarm in Schutzräume innerhalb des Klosters auf dem Berg Zion zurückziehen. "Der Alarm wurde kurz nach 18 Uhr und damit unmittelbar vor dem Beginn unserer Vesper ausgelöst", so Karl. Im Schutzraum hätten er uns seine Mitbrüder dann gehofft, "dass die Rakete nicht bei uns einschlägt".

Karl: Ende des Ramadans als eine Ursache der Gewalt

Als eine Ursache für die aktuellen Auseinandersetzungen nannte der Prior das bevorstehende Ende des Ramadans. Auch in den vergangenen Jahren sei es zum Ende des islamischen Fastenmonats immer wieder zu gewalttätigen Konflikten gekommen – "auch deshalb, weil dann sehr viele Menschen auf den Straßen unterwegs sind und es dadurch natürlich schneller zu einer Eskalation kommen kann", sagte Karl.

Eine weitere Rolle spiele zudem die unterschiedliche Entwicklung der Corona-Pandemie in Israel und den palästinensischen Gebieten. "Dank der erfolgreichen israelischen Impfkampagne können sich die Menschen hier inzwischen wieder weitgehend frei bewegen, während die Lage im Westjordanland und dem Gaza-Streifen aufgrund nur weniger Impfungen weiterhin sehr dramatisch ist", betonte der Prior. Die Schuld für diese Entwicklung, die bei den Palästinensern viel Frust erzeuge, liege bei der palästinensischen Autonomiebehörde. Diese sei zu lange untätig gewesen und habe sich nicht ordentlich auf die Pandemie vorbereitet. "Wie wir jetzt wissen, hat man im Gaza-Streifen lieber Raketen gebaut, statt Impfstoff zu besorgen", so Karl wörtlich.

Auch fragile politische Lage in Israel ein Problem

Hinzu komme jedoch auch die fragile politische Situation in Israel. Schließlich habe auch die jüngste Parlamentswahl kein eindeutiges Ergebnis gebracht. Nachdem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor wenigen Tagen mit der Bildung einer Regierung gescheitert sei, wittere nun das Anti-Netanjahu-Lager seine Chance. "Ich befürchte, dass auch dieses Faktum in die aktuelle Gewalteskalation reinspielt, denn in der Vergangenheit konnten sich angeschlagene Staatslenker immer profilieren, wenn sie militärische Stärke gezeigt haben", betonte der Geistliche.

Der jahrzehntealte Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war in den vergangenen Tagen gefährlich eskaliert. Am Wochenende kam es mehrfach zu schweren Zusammenstößen in Jerusalem, bei denen Hunderte Menschen verletzt wurden. Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gaza-Streifen auf Israel – das israelische Militär bezifferte die Zahl der abgefeuerten Raketen allein am Montag auf mehr als 150 – bombardierte die israelische Luftwaffe dann am Montag Ziele in dem abgeschotteten Küstengebiet, das von der militant-islamistischen Hamas beherrscht wird. (stz)