"Haltung der Heiligkeit"
Papst Franziskus feiert Gottesdienst mit neuen Kardinälen

"Haltung der Heiligkeit"

Vatikan - Papst Franziskus hat die neuen Kardinäle zu Einheit und Bescheidenheit aufgerufen. Mit der Aufnahme in das Kardinalskollegium trete man nicht in einen Hofstaat ein, sondern in die Kirche Roms, sagte er am Sonntag bei einer Messe im Petersdom. Ausdrücklich warnte er vor "Seilschaften". Bereits gestern feierte Kardinal Müller traditionell bayerisch - unter anderem mit Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Vatikanstadt - 23.02.2014

Einem Kardinal werde eine besondere "Haltung der Heiligkeit" abverlangt, ein größerer Einsatz für die Kirche, den Glauben und den Nächsten, sagte der Papst im Petersdom. "Vermeiden wir alle höfischen Gewohnheiten und Verhaltensweisen wie Intrigen, Tratsch, Seilschaften, Günstlingswirtschaft, Bevorzugungen, und helfen wir uns gegenseitig, sie zu vermeiden." Von einem Kardinal werde Güte, Verzeihen, Dienen bis hin zur Feindesliebe und Barmherzigkeit verlangt. Egoismus und Stolz dürfe es nicht geben.

"Lieben wir darum diejenigen, die uns feindlich gesonnen sind; segnen wir, die schlecht über uns sprechen; grüßen wir mit einem Lächeln, die es vielleicht nicht verdienen", sagte Franziskus. "Heilig zu sein ist kein Luxus", so der Papst. Jesus sei nicht gekommen, um "gutes Benehmen, das Benehmen der feinen Gesellschaft zu lehren", sondern um "den einzigen Ausweg aus dem Treibsand der Sünde zu zeigen, und dieser Weg ist die Barmherzigkeit".

Bereits am Samstagnachmittag hatten viele Tausend Menschen, römische Bürger wie angereiste Gäste, den neuen Kardinälen persönlich gratuliert. Wenige Stunden nach der Aufnahme der 19 neuen Purpurträger durch den Papst in das Kardinalskollegium nahmen diese in Räumlichkeiten des Vatikan bei den traditionellen Höflichkeitsbesuchen zahlreiche Glückwünsche entgegen. Die längste Menschenschlange bildete sich vor dem neuen Staatssekretär Pietro Parolin, der in der Sala Regia des Apostolischen Palastes seine Gäste begrüßte.

Der neue Kardinal Gerhard Ludwig Müller feierte seine Kardinalserhebung im Vatikan mit prominenten Gästen aus Politik und Kirche. Die Bundesregierung war durch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vertreten. Die offizielle Delegation war unter Leitung von Bundestags-Vizepräsident Johannes Singhammer (CSU) angereist.

Großaufnahme von Tebartz-van Elst während des Kreuzfestes im September 2013 in Königstein.
Bild: © KNA

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Als sogenannte Titel-Diakonie erhielt Müller vom Papst die römische Kirche Sant' Agnese in Agone. Der barocke Bau liegt an einem der berühmtesten Plätze Roms, der Piazza Navona, gegenüber dem Vier-Flüsse-Brunnen von Gian Lorenzo Bernini (1598-1680). Die Titelsitze sollen die Verbindung der Kardinäle mit dem Bistum Rom und dem Papst unterstreichen.

Zur Festgesellschaft beim anschließenden volkstümlich-bayerischen Empfang im Palast der Glaubenskongregation zählten neben Bischöfen und akademischen Schülern Müllers auch Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon sowie der Chef der Vatikanbank, Ernst von Freyberg. Ebenfalls anwesend war der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der 54-Jährige, der derzeit eine Auszeit in der niederbayerischen Benediktinerabtei Metten nimmt, nahm zudem am Sonntag – gemeinsam mit zahlreichen anderen Bischöfen der Weltkirche – an der Festmesse mit Papst Franziskus im Petersdom teil. (bod/KNA)