Alter Mann mit Münzen
Bericht der Bundesregierung konstatiert Verfestigung von Armut

Bischofskonferenz: Armut mindern und Chancen verbessern

Noch immer hätten die Herkunft und die finanzielle Situation der Eltern großen Anteil an den Zukunftschancen eines Kindes, mahnt Sozialbischof Franz-Josef Overbeck. Gemeinsam mit Erzbischof Stephan Burger wirbt er für sozialpolitische Maßnahmen.

Berlin/Bonn - 12.05.2021

Die Deutsche Bischofskonferenz wirbt für sozialpolitische Maßnahmen zur Minderung der Armut. Menschen am unteren Rand der Gesellschaft bräuchten bessere Perspektiven, erklärte Sozialbischof Franz-Josef Overbeck am Mittwoch. Zugleich rief der Essener Bischof zu mehr Gerechtigkeit und Solidarität besonders zwischen den Generationen auf. Overbeck äußerte sich in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger, der bei der Bischofskonferenz für caritative Fragen zuständig ist, zum 6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung.

Beide begrüßten den Bericht, da er eine langfristige und differenzierte Betrachtung von Armut und Reichtum ermögliche, um die soziale Lage in Deutschland zu verbessern. Nach den Worten von Overbeck erwies sich in der Corona-Krise die Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Arbeitsmarkt- und sozialpolitische Maßnahmen hätten Härten abmildern können. Es sei aber auch erneut deutlich geworden, wer besonders verwundbar sei.

"Prekär Beschäftigte, Alleinerziehende, Solo-Selbstständige oder Menschen mit Behinderungen sind zum Beispiel schon lange überdurchschnittlich von Armut bedroht", beklagte Overbeck. Ihre Situation habe sich in der Pandemie noch einmal verschärft. Verfestigte Armut sei weiterhin ein Problem. "Außerdem haben die Herkunft eines Kindes und die finanzielle Situation seiner Eltern immer noch einen zu großen Anteil daran, welche Chancen sich ihm in seiner Zukunft eröffnen", mahnte der Sozialbischof.

Burger: Caritas gebe "überzeugendes Zeichen tätiger Nächstenliebe"

Nach Burgers Ausführungen muss der Sozialstaat auch in Zukunft alles daransetzen, "mit der sozialen Infrastruktur und Einrichtungen der Daseinsvorsorge die Menschen in ihren Notlagen wirksam zu erreichen". Vor Ort werde die Sozialpolitik konkret und die individuellen Lebenslagen kämen in den Blick. Dabei verwies er auf den "Diskussionsbeitrag" mit dem Titel "Mehr Teilhabe und Zusammenhalt durch gleichwertige Lebensverhältnisse", in dem die Deutsche Bischofskonferenz im vergangenen Jahr die regionale Ungleichheit thematisiert habe. "Wir haben darin zudem Handlungsoptionen zur Stärkung des gesellschaftlichen Lebens auf der lokalen und regionalen Ebene aufgezeigt", erinnerte Burger.

Er dankte zugleich der Caritas, "die auf politischer Ebene kontinuierlich und differenziert Missstände benennt und Verbesserungen im Sinne benachteiligter Menschen vorschlägt". Die Mitarbeiter stünden in ihrer tagtäglichen ehren- und hauptamtlichen Arbeit mit Rat und Tat Menschen zur Seite, die Hilfe benötigten, etwa in Tafeln oder bei der Schuldnerberatung. "Sie geben damit ein überzeugendes Zeichen tätiger Nächstenliebe, zu der wir alle aufgerufen sind", unterstrich der Erzbischof.

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch den 6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung verabschiedet. Unter dem Titel "Lebenslagen in Deutschland" stellt er fest, dass zwar der überwiegende Teil der Bevölkerung in "stabilen sozialen Lagen" lebt, aber zugleich eine Verfestigung der Armut stattfinde. Während für 75 Prozent das Einkommen gleichgeblieben oder sogar gestiegen sei, belaste die Pandemie finanziell vor allem die Einkommensschwachen. Zudem blieben die Aufstiegschancen in die untere Mittelschicht auf einem konstant niedrigen Niveau. Das Bundessozialministerium legt den Bericht alle vier Jahre vor. Als arm gilt demnach, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt. (cbr/KNA)