Schachfigur
Standpunkt

Ehrenamtliche wollen nicht "kitten", sie wollen heilen!

Unentwegt geht die Rede vom "Kitt", der Gesellschaft und Kirche angeblich zusammenhält. Albrecht von Croy findet das falsch. Er möchte lieber von Hingabe sprechen, die es für die Zukunft der Kirche dringend braucht.

Von Albrecht von Croy |  Bonn - 14.05.2021

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Warum, in Gottes Namen, hat eigentlich der Kitt eine solche Berühmtheit erlangt? Ein profaner Werkstoff hat triumphal Einzug gehalten in nahezu jede öffentliche Rede, wenn sie denn vom Zustand unserer Gesellschaft und unserer Kirche geht. Immer soll der Kitt irgendetwas "zusammenhalten". Und immer wird gefragt, was denn der "Kitt" sei, mit dem ein Gemeinwesen zu einem solchen erst werde.

Die vorhersehbare Antwort: freiwilliges Engagement seiner Bürger, ehrenamtliches Tun, Einsatz für den Nächsten ohne Entlohnung, eine soziale Betätigung ohne Aussicht auf Erfolg und Karriere. Und dann kommt die Eloge: So viel Leidenschaft für den Schwachen, Armen und Kranken. "Ihr seid der Kitt!"

Echt jetzt: wollen Sie "Kitt" sein? Wollen Sie als passiver Klebstoff Löcher stopfen? Wollen Sie sich als Dichtungsmasse für nicht ganz dichte Konstruktionen hergeben? Wollen Sie nicht! Sie wollen Kirche und Gesellschaft aktiv prägen mit Hinwendung, mit Leidenschaft, mit Originalität und Phantasie, also mit Hingabe. Lauter vermeintlich altertümliche Begriffe, die uns offenbar abhandengekommen sind. Niemand soll sich "hingeben", niemand soll "entsagen", niemand soll "Opfer bringen", niemand soll sich "verschenken".

"Eine Gemeinschaft ist nicht die Summe von Interessen, sondern die Summe an Hingabe", sagt Antoine de Saint-Exupéry. Es braucht die wahrhaft Hingebungsvollen, um aus einer Ansammlung von Gläubigen das "Haus voll Glorie", unsere Kirche, zu schaffen. Es reicht eben nicht (nur) die Leidenschaft. Hingabe ist mehr: Sie bleibt, wenn die Leidenschaft schon gegangen ist, sie ist lebendig, bereichernd, freud- und kraftvoll. Hingabe braucht Dankbarkeit, dann ist sie klar, geerdet und intelligent. Sie verlangt Opfer, Opfer an Zeit, an Kraft und an seelischer Contenance.

Ein altes italienisches Sprichwort weiß: "Liebe, Almosen, Hingabe und Geduld sind die vier Dinge, die einen Laien zum Heiligen machen". Ehrenamtlich Engagierte wissen, dass es weniger darauf ankommt, was man tut, als wie man es tut. Dass Hingabe Hinwendung ist und eben deswegen immer wieder Heilung zulässt. Hingabe ist kein ordinärer Werkstoff, Hingabe ist ein Bekenntnis. Ehrenamtliche wollen nicht "kitten", sie wollen heilen!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.