Heute in einem Jahr startet das Christentreffen in Stuttgart

Im Schatten von Corona: Das sind die Pläne für den Katholikentag 2022

Aktualisiert am 25.05.2021  –  Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Heute in einem Jahr beginnt der Katholikentag in Stuttgart. In welcher Form das Treffen genau stattfinden kann, ist wegen der Pandemie noch unsicher; die Veranstalter hoffen aber auf eine Präsenzveranstaltung mit Tausenden Teilnehmern vor Ort. Erste Themenschwerpunkte zeichnen sich bereits ab.

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Der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt am Main war am vorvergangenen Sonntag kaum vorbei, da bekundeten viele Internetnutzer durch entsprechende Postings in den sozialen Netzwerken bereits ihr Interesse am nächsten christlichen Großereignis – dem 102. Deutschen Katholikentag, der heute in einem Jahr in Stuttgart starten soll. Begleitet wurden diese Beiträge bei vielen Usern wohl auch von der Hoffnung, dass der Katholikentag in der baden-württembergischen Landeshauptstadt – nach dem weitgehend digital abgehaltenen ÖKT – das erste große Christentreffen der Post-Corona-Zeit sein könnte.

Könnte – denn sicher vorhersagen kann das bislang niemand. Zwar hat Deutschland nach einem verschleppten Start der Impfkampagne inzwischen den Impfturbo eingelegt und in den vergangenen Wochen zahlreiche Lockerungen der bislang geltenden Corona-Beschränkungen eingeleitet. Welche Volten die bislang so unberechenbare Pandemie in den kommenden Monaten noch schlagen wird, ist aber selbst für Virologen weitgehend unklar.

Bischof Fürst: Keine zweigleisige Vorbereitung für Katholikentag

Trotz dieser Unsicherheit erklärte der gastgebende Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst vor wenigen Tagen in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass man den Katholikentag bei der weiteren Vorbereitung nicht zweigleisig planen werde – "das würde unserer aller Möglichkeiten überfordern". Laut Fürst gehen die Verantwortlichen des Katholikentags davon aus, dass das Treffen mit Tausenden Teilnehmern vor Ort in Stuttgart stattfinden kann. Einen "Plan B" für einen ebenfalls weitgehend digital ablaufenden Katholikentag wird es demnach also nicht geben.

Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst.
Bild: ©katholisch.de

Gebhard Fürst ist als Bischof von Rottenburg-Stuttgart einer der Gastgeber des Stuttgarter Katholikentags.

Ob sich dieser Plan halten lässt, werden die kommenden Monate zeigen. Zur Erinnerung: Auch der ÖKT war zunächst als klassische Präsenzveranstaltung geplant, ehe die Verantwortlichen kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres die Reißleine zogen. Um das Treffen angesichts der sich damals erneut verschärfenden Pandemie und der damit verbundenen "unsicheren Rahmenbedingungen im Mai 2021" nicht komplett absagen zu müssen, entschied das Präsidium des Kirchentags quasi in letzter Minute, das Konzept der Veranstaltung grundlegend zu verändern und den ÖKT digital auszurichten.

Dass sich auch die Verantwortlichen des Katholikentags – trotz der sehr definitiv klingenden Aussage von Bischof Fürst – mit Blick auf die genaue Ausgestaltung ihres Treffens ein Hintertürchen offenhalten, zeigt ein Blick auf die Internetseite des Events. Dort steht unter der Überschrift "Katholikentag und Corona": "Der 102. Deutsche Katholikentag Stuttgart 2022 soll trotz Corona-Pandemie stattfinden. Die aktuelle Lage erlaubt es uns nicht, schon jetzt zu prognostizieren, wie genau er aussehen wird. Für uns steht aber fest, dass er an die jeweilige Situation angepasst stattfindet und weiterhin mit viel Verve, Vorfreude, aber auch Demut vorbereitet wird." Die Verantwortlichen berieten regelmäßig, um auf der Grundlage neuerer Erkenntnisse zu beschließen, wie das Treffen durchgeführt werden könne.

Leitwort "leben teilen"

Immerhin: Keine Unsicherheiten gibt es beim Leitwort des Katholikentags. Auf Vorschlag der Leitung des Katholikentags beschloss der Hauptausschuss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) bereits Anfang Oktober vergangenen Jahres, dass Treffen in Stuttgart unter das Motto "leben teilen" zu stellen. Damit "wollen wir unseren Glauben an einen Gott zum Ausdruck bringen, der in seinem Wesen personale, liebende und barmherzige Selbst-mit-teilung ist, der selbst Mensch wird, das menschliche Leben teilt, Menschen Anteil an sich gibt und sie in die Gemeinschaft des Lebens einlädt", erläuterte ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Zudem knüpft das Leitwort bewusst an den Patron des gastgebenden Bistums Rottenburg-Stuttgart an: den heiligen Martin von Tours (316/317-397). Als Sankt Martin ist er einer der beliebtesten Heiligen der katholischen Kirche und – vor allem aufgrund der Legende um seinen mit einem frierenden Bettler geteilten Mantel – ein leuchtendes Beispiel für christliche Barmherzigkeit. "Das Motto des Katholikentages 2022 passt optimal zu unserer Diözese mit dem Heiligen Martin als Patron. Für uns Christen ist das Teilen gelebte Nächstenliebe – die vor der eigenen Haustür beginnt und sich über die ganze Erde erstreckt", so Bischof Fürst.

Bild: ©stock.adobe.com/Manuel Schönfeld

Nach 1925 und 1964 ist Stuttgart im kommenden Jahr zum dritten Mal Gastgeberstadt für den Deutschen Katholikentag.

Geht es nach den Veranstaltern soll sich das Leitwort "leben teilen" auch deutlich im Programm des Katholikentags widerspiegeln. Etwa mit Blick auf die aktuellen innerkirchlichen Diskussionen, bei denen der Katholikentag zum Ausdruck bringen wolle, dass die Teilhabe aller Gläubigen an der Gestaltung der Kirche zu den zentralen Herausforderungen kirchlicher Reformen gehöre. Damit knüpft das Treffen erkennbar an das Ziel des Synodalen Wegs an, Macht und Gewaltenteilung sowie die Frage der Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche neu zu buchstabieren.

Bischof Fürst betonte gegenüber der KNA allerdings, dass der Katholikentag "keine weitere Vollversammlung" des kirchlichen Reformprozesses sei. Das Stuttgarter Treffen dürfe nicht zur öffentlichen Großveranstaltung des Synodalen Wegs mutieren. Gleichwohl: Wenn der Zeitplan wegen der Corona-Pandemie nicht noch einmal verändert werden muss, wird der Synodale Weg mit der vierten Synodalversammlung Anfang Februar kommenden Jahres zu Ende gehen. Damit ist klar, dass der Katholikentag zum ersten großen innerkirchlichen Stimmungstest für die Ergebnisse des Synodalen Wegs werden dürfte. Das normale Kirchenvolk wird sich kaum die Gelegenheit entgehen lassen, die Beschlüsse des Prozesses in Stuttgart breit zu diskutieren und die eigene Meinung dazu kundzutun.

Klimawandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt als weitere Themen

Darüber hinaus dürfte die Teilnehmer des Treffens – egal ob analog oder digital – die für Katholikentage typische thematische Vielfalt erwarten. Bischof Fürst beschreibt es so: "Katholikentage sind immer Großveranstaltungen, um die Themen der Zeit aufzunehmen und aus einer christlichen Grundhaltung diskursiv und dialogisch zu besprechen. Das soll natürlich auch in Stuttgart so sein." Hauptthemen seiner aus seiner Sicht der Klimawandel und andere Umweltfragen, die Digitalisierung mit ihren ganzen Vorteilen und Schattenseiten sowie auch soziale Fragen wie Wohnungsbau und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Ganz genau wird das Programm des Katholikentags aber erst im Frühjahr kommenden Jahres feststehen. Und spätestens dann sollte auch klar sein, ob das Treffen tatsächlich – wie von den Verantwortlichen und wohl den meisten Teilnehmern erhofft – mit Tausenden Christen vor Ort in Stuttgart stattfinden kann.

Von Steffen Zimmermann