Zunächst drei exklusive Sorten Craft Beer

Nach 200 Jahren: Mönche von Grimbergen brauen wieder selbst

Aktualisiert am 04.06.2021  –  Lesedauer: 
Pater Karel Karel Stautemas und Braumeister Marc-Antoine Sochon
Bild: © Abtei Grimbergen

Grimbergen ‐ 900 Jahre Brautradition hat die belgische Prämonstratenserabtei Grimbergen – doch im Kloster wird seit 200 Jahren nicht mehr gebraut, das bekannte Grimbergen-Bier kommt vom Großkonzern. Nun brauen die Mönche wieder – und zwar exklusives Craft Beer.

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Die Mönche aus dem belgischen Grimbergen haben nach 200 Jahren erstmals wieder eine eigene Brauerei in ihrem Kloster eröffnet. Wie die Mönche mitteilten, eröffnete die moderne Anlage auf dem Gelände der Prämonstratenserabtei in der Nähe von Brüssel Ende Mai. Bereits 1128 wurde erstmals in der von Norbert von Xanten gegründeten Abtei Bier gebraut, der eigene Brauereibetrieb war jedoch seit der Französischen Revolution eingestellt, als das ursprüngliche Gebäude zerstört wurde.

Bier unter der Marke Grimbergen ist dennoch seit Jahrzehnten auf dem Markt: Ab 1958 wurde es durch die belgische Brauerei-Gruppe Alken-Maes gebraut, seit 2008 hält Carlsberg die internationalen Markenrechte und vertreibt unter dieser Marke Bier, das an mehreren Standorten auch außerhalb Belgiens produziert wird. In der Klosterbrauerei sollen laut Mitteilung nun "einzigartige, limitierte Chargen von außergewöhnlichen Spitzenbieren" hergestellt werden. Zunächst werden drei Sorten im Kloster gebraut: Grimbergen Magnum Opus Brut-Bier, Grimbergen Ignis Quadruple und Grimbergen Astrum Pale Ale.

Nicht mehr wie im Mittelalter

Die Brauerei wurde in einer Kooperation der Abtei mit Carlsberg neugegründet. Pater Karel Stautemas, Provisor des Klosters, leitet die Brauerei und soll auch als Klosterbrauer fungieren. Derzeit befindet er sich noch in der Ausbildung zum Brauer, deren Abschluss durch die Corona-Pandemie verzögert wurde. "Die neue Mikrobrauerei ist ein Ort, um vergangene Traditionen wieder aufleben zu lassen, genau wie unser Symbol, der Pheonix, haben wir immer die Kraft, wieder aufzustehen, aber auch frisches Denken hinzuzufügen", so der Pater: "Wir wollen unsere Erfahrung, die fast neun Jahrhunderte umfasst, mit Innovation kombinieren, um die köstlichsten und einzigartigsten neuen Gebräue zu entwickeln." In der neuen "Mikrobrauerei" wollten die Mönchen "mit Stilen und Zutaten auf eine wirklich aufregende Weise" experimentieren, so der Mönch. Unterstützt werden die Mönche dabei von Braumeister Marc-Antoine Sochon. Der 28-jährige Franzose gilt als "Brauerei-Wunderkind" und hat bereits als Jugendlicher in der Garage seiner Eltern das Brauen angefangen.

Der Plan, die Tradition der Klosterbrauerei neu zu errichten, wurde bereits 2018 bekannt. "Wir haben seit langer Zeit den Traum, in der Abtei wieder Bier zu brauen", sagte Pater Karel damals gegenüber einer belgischen Zeitung. Vier Mönche seien damit beauftragt gewesen, das Klosterarchiv nach alten Rezepten zu durchforsten. Die neuen Rezepte sollen jedoch etwas abgewandelt werden, so der Mönch. Die Grundzutaten, Rezepte und Geschmäcker hätten sich verändert, man könne kein Bier mehr brauen wie im Mittelalter. (fxn)