Der Jesuitenpater Hans Zollner ist Leiter des Centre for Child Protection (CCP) in Rom.
Beitrag zur Erneuerung der Kirche und Missbrauchsprävention

Zollner: Marx-Rücktritt Zeichen von außerordentlicher Bedeutung

Der vatikanische Kinderschutzexperte Hans Zollner sieht im Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx ein starkes Zeichen. Das könne auch Auswirkungen auf die Missbrauchsprävention der Kirche insgesamt haben.

Rom - 09.06.2021

Der Leiter des vatikanischen Kinderschutzzentrums (CCP), Pater Hans Zollner, sieht im Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx ein Zeichen von außerordentlicher Bedeutung. Im Interview mit dem spanischen Onlinemagazin Religion Digital (Dienstag) sagte der Jesuit, dass dieser Schritt großen Respekt verdiene. Der Kardinal habe gezeigt, dass die Mission und Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Amtsträger wichtiger seien als sein eigenes Amt und seine Stellung. Das Rücktrittsangebot könne eine symbolische Wirkung in Richtung Erneuerung der Kirche haben und so zur Missbrauchsprävention, zu Transparenz und Rechenschaftspflicht führen, auch wenn die Folgen der Geste von Marx erst in einiger Zeit vollständig bewertet werden könnten, so Zollner weiter.

Im Interview begrüßte Zollner außerdem die Reform des kirchlichen Strafrechts durch Papst Franziskus als einen wichtigen Schritt. Insbesondere hob er hervor, dass sexualisierte Gewalt künftig als Verbrechen gegen die Würde von Menschen gefasst wird und nicht mehr allein als Verstoß gegen die Pflichten von Klerikern. Auch die Ausweitung des Strafrechts über Kleriker auf Laien hinaus und Bestimmungen, die auch Missbrauch in Machtverhältnissen bei Volljährigen unter Strafe stellen, stellten eine Verbesserung dar. Die Strafrechtsreform sei ein historischer Schritt. Dabei dürfe die Kirche aber nicht stehenbleiben. "Schriftliche Regeln reichen nicht aus. Wir brauchen einen echten Bekehrungsprozess, der die Herzen verwandelt und einen echten Kulturwandel bewirkt", so Zollner: "Das beginnt damit, den Opfern zuzuhören."

Der Jesuit Hans Zollner, der seit 2003 Psychologie an der Gregoriana lehrt, gilt als einer der führenden Fachleute auf dem Gebiet der Prävention des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Seit 2014 ist er Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen und Leiter des CCP, das mit Unterstützung des Erzbistums München und Freising gegründet wurde. Das Kinderschutzzentrum wird zum 1. September unter dem neuen Namen "Institut für Anthropologie - Interdisziplinäre Studien zu Menschenwürde und Sorge für schutzbedürftige Personen" (IADC) deutlich aufgewertet. Bereits im vergangenen Herbst hatte Zollner damit gerechnet, dass es zu weiteren Rücktritten kirchlicher Verantwortungsträger kommen werde. (fxn)