Ein Foto von Eustachius Kugler
Vor 75 Jahren starb der hochverehrte Ordensmann aus Regensburg

Der selige Eustachius Kugler: Unermüdlich im Einsatz für die Kranken

Jammern – dieses Wort gab es für den seligen Eustachius Kugler nicht. Der langjährige Leiter der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder dachte an sich zuletzt. Vor 75 Jahren starb der bekannte Ordensmann.

Von Barbara Just (KNA) |  Regensburg - 10.06.2021

Unter Schmerzen litt Eustachius Kugler (1867-1946) schon länger. Ein Zwölffingerdarmgeschwür war der Grund, doch der Leiter der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder ließ sich nichts anmerken. Geduldig ertrug der Ordensmann alles, auch wenn er beim Gehen zunehmend taumelte. Am Christi Himmelfahrtstag 1946 schleppte sich der Provinzial förmlich zum Gottesdienst, den er aber früher verließ, um auf sein Zimmer zu gehen. Dort fand ihn der Krankenpfleger am Bettrand sitzen. Auf die Frage, wie es ihm gehe, soll die Antwort gewesen sein: "Ich hätte nicht gedacht, dass man so müde werden kann."

Magenkrebs war am Ende der Grund, dass Kugler in seinen letzten Tagen fast nichts mehr bei sich behielt. Den Rosenkranz indes gab er nicht aus den Händen. Am 10. Juni 1946, dem Pfingstmontag, passierte es dann: Wenige Minuten nach 16 Uhr schlief der 79-Jährige für immer ein. Er habe auf dem Totenbett, so berichten es Zeugen, einen Gesichtsausdruck von Glück, Ausgeglichenheit und Verklärtheit ausgestrahlt - mit sich und der Welt im Reinen.

Im Einsatz für die Schwachen und Kranken

Seine letzte Ruhe fand Kugler in der Kapelle des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Dorthin kommen heute nach wie vor jene, die seiner Fürbitte bedürfen. Dabei ging es ihm nie um seine Person. Er war ein frommer Mann, der alles mit seinem Herrgott ausmachte. Sein Einsatz galt vor allem den Schwachen und Kranken. So wurde aus ihm 2009 ein Seliger. Als Wunder erkannte der Vatikan damals an, dass ein junger Schlosser einen schweren Autounfall 2001 unbeschadet überstand. Die Verehrung für den Frater hatte aber viel früher begonnen.

Mit Erlaubnis des Ortsbischofs durften die Brüder in den 1950er Jahren den Leichnam vom Ordensfriedhof in die Kirche des von Kugler erbauten Regensburger Krankenhauses umbetten. Wegen des Andrangs wurde später ein weiterer Anbau geschaffen, um das Grab auch von der Straße zugänglich zu machen. Dort steht ein kunstvoll gefertigter Gold-Messing-Schrein mit seinen Reliquien.

Gemälde von Frater Eustachius Kugler

Frater Eustachius Kugler wurde schon früh nach seinem Tod verehrt.

Kugler kam am 15. Januar 1867 in Neuhaus bei Nittenau zur Welt. Eine große Zukunft war dem sechsten Kind des Dorfschmieds und Kleinbauern Michael und dessen Frau Anna nicht in die Wiege gelegt. Mit 14 Jahren verlor Joseph seinen Vater. Um für die Familie Geld zu verdienen, absolvierte er in München eine Schlosserlehre. Kurz vor dem Abschluss stürzte der Lehrling vom Gerüst und zog sich einen komplizierten Bruch am rechten Fuß zu. Die Gesellenprüfung legte er noch ab, in seinen Beruf konnte er nicht zurückkehren.

Sein Schwager, ein Schmied, ließ ihn im Familienbetrieb in Reichenbach mitarbeiten. Als die Barmherzigen Brüder 1891 das frühere Benediktinerkloster im Ort erwarben, um eine Pflegeanstalt für Geisteskranke einzurichten, half Kugler bei den Bauarbeiten. Dabei fing er an, sich für den Orden zu interessieren. Kurz vor seinem 26. Geburtstag trat er ein und erhielt den Namen Eustachius. Als 1894 endgültig über seine Aufnahme entschieden wurde, lehnten ihn die Mitbrüder wegen der Gehbehinderung ab. Doch auf Weisung der Leitung musste die Abstimmung wiederholt werden - und fiel positiv aus.

Am Ende blieben durchgelatschte Schuhe und ein Krankenhausbau

Frater Eustachius wirkte in mehreren Einrichtungen, bis er 1925 Leiter der Bayerischen Ordensprovinz wurde. Viermal wählten ihn die Brüder wieder, im Zweiten Weltkrieg behielt er das Amt automatisch. Zu seinen größten Leistungen zählt der Krankenhausbau in Regensburg mit 450 Betten, für das Kugler einen Stararchitekten beauftragte. Auf das Risiko der Finanzierung von 8,3 Millionen Reichsmark angesprochen, antwortete er: "Das habe ich mit meinem Herrgott schon abgemacht. Da fehlt nichts."

Dass die Klinik während der 20 Luftangriffe auf die in der Nähe liegende Messerschmitt-Jagdfliegerfabrik verschont blieb, führen viele Bürger auf Frater Eustachius zurück. Der kniete nächtelang in der Kapelle vor dem Tabernakel und machte ansonsten aus seiner Abneigung gegenüber den Nazis kein Hehl. Die wiederum unterzogen ihn stundenlanger Verhöre; Brüder wurden zum Kriegsdienst eingezogen und Einrichtungen geschlossen. Von Kugler blieben am Ende durchgelatschte schwarze Schuhe, ein alter Habit, ein einfacher Rosenkranz - und ein Krankenhausbau.

Von Barbara Just (KNA)