Bischof Kohlgraf: Glaube ist keine Antiquitätensammlung
Viele Gläubige mit Qualität kirchlicher Angebote unzufrieden

Bischof Kohlgraf: Glaube ist keine Antiquitätensammlung

Wie ist es um Seelsorge und Verkündigung in der Kirche bestellt? Nach Ansicht des Mainzer Oberhirten Peter Kohlgraf ist die Qualität vieler kirchlicher Angebote mangelhaft. Das habe er auch oft von austrittswilligen Gläubigen gehört.

Mainz - 11.06.2021

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf stellt die Seelsorgeangebote der katholischen Kirche in Frage. Heute müsse sich die Kirche von ausgetretenen oder austrittswilligen Mitgliedern "sagen lassen, dass sie unsere Seelsorge und Verkündigung, auch die Qualität unserer Angebote bestenfalls für ausreichend halten, wenn nicht oft als mangelhaft und ungenügend", so Kohlgraf am Donnerstagabend in einer Predigt beim Bonifatiusfest im Mainzer Priesterseminar. Der am Freitag auf der Homepage des Bistums Mainz veröffentlichte Text trägt den Titel "Der Glaube ist keine Antiquitätensammlung".

Ein Thema, das schon den heiligen Bonifatius (um 673-754) umgetrieben habe und die Kirche heute wieder beschäftige, sei der "synodale Leitungsstil", sagte Kohlgraf. "So bewusst sich Bonifatius seiner bischöflichen Amtsgewalt ist, so wichtig ist ihm der ständige Austausch mit den anderen (zunächst den Bischöfen), aber über die Priester auch die Verbindung mit den Gläubigen." Heute richte sich der Blick über den Kreis der Bischöfe und Priester hinaus auf alle, die in Leitungsverantwortung stünden. "Wir ringen um Synodalität. Es ist für mich und uns eine bedrängende Frage, wie wir synodale Wege hier bei uns und weltkirchlich gestalten und leben können."

Bonifatius stehe für tragfähige Kirchenstrukturen

Bonifatius stehe auch gegen manchen Versuch, kirchliche Strukturen und äußeres Erscheinungsbild "als ungeistliche Nebenfragen herabzuspielen", betonte Kohlgraf. Zeitlebens sei Bonifatius mit der Gestaltung von tragfähigen Kirchenstrukturen beschäftigt gewesen, die die Verkündigung unterstützen müssten.

Bonifatius wird als "Apostel der Deutschen" verehrt. Mit etwa 40 Jahren war der aus England stammende Benediktinermönch Wynfreth, wie Bonifatius ursprünglich hieß, aufs europäische Festland gezogen. Sein Ziel: Missionierung im damaligen Frankenreich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. 744 hatte Bonifatius an dem Ort, aus dem später die Stadt Fulda erwuchs, ein Kloster gründen lassen. Zwischen 746 und 754 war Bonifatius Bischof von Mainz. 754 wurde er bei einer Missionsreise in Friesland getötet. In der Krypta des Fuldaer Doms sind die sterbliche Überreste des Bonifatius beigesetzt. (KNA)