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Standpunkt

Der synodale Prozess der Weltkirche droht an sich selbst zu scheitern

Bei genauem Hinsehen bleibe von der an sich guten Idee nicht viel übrig, kommentiert Gabriele Höfling. Statt zu einer vitalen Dynamik könnte es zu einem schwerfälligen Verfahren kommen, das an sich selbst ersticke – unter anderem wegen organisatorischer Mängel.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 18.06.2021

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Mit Beginn im Oktober hat Papst Franziskus einen synodalen Prozess in der gesamten Weltkirche ausgerufen. Das klingt zunächst nach einem guten Schritt Richtung mehr Beteiligung. Allerdings bleibt zweifelhaft, ob – frei nach Helmut Kohl – am Ende auch etwas Gescheites hinten herauskommt. Statt zu einer vitalen Dynamik wird es vermutlich zu einem schwerfälligen Verfahren kommen, das an sich selbst erstickt und im Organisationschaos endet.

Über zwei Jahre soll zuerst auf Bistums-, dann auf Kontinental- und schließlich auf Vatikanebene diskutiert werden. Jeder könne sich einbringen, ermutigt der zuständige Kurienkardinal Mario Grech. Das ist gut gemeint, aber bei einer Organisation mit 1,3 Milliarden Mitgliedern kaum möglich. Wenn ich mich in meinem Bistum (in möglicherweise zeitraubenden Sitzungen) einbringe, was dringt davon überhaupt nach Rom vor? Wer schon einen ähnlichen Prozess wie die Familiensynode 2015 in den Knochen hat, dem könnte es schwerfallen, sich erneut zu motivieren. Schließlich haben die Ergebnisse der Vorabumfragen unter den Gläubigen überhaupt keinen Eingang ins Schlussdokument gefunden.

Irritierend sind außerdem mögliche Doppelstrukturen: Nicht nur in Deutschland, auch in Italien, Irland, Australien und anderswo gibt es schon nationale synodale Prozesse oder diese sollen bald beginnen. Wie genau die in das weltweite Modell integriert werden sollen, ist unklar. Ausgerechnet die nationale Ebene scheint in der Organisationsvorgabe des Vatikans keine so große Rolle zu spielen. Es könnten also neben schon vorhandenen nationalen Prozessen auch einzelne Bistümer für sich einen Beteiligungsprozess starten, dessen Ergebnisse dann möglicherweise mehr oder weniger direkt an den Vatikan gehen könnten. Keine so unattraktive Option etwa für deutsche Oberhirten, die dem Synodalen Weg eher kritisch gegenüberstehen.

Unklar ist auch, über welche Themen genau die Bischöfe sprechen wollen, wenn die Synode in Rom angekommen ist. Das Kirchenvolk wird in unterschiedlichen Erdteilen ganz unterschiedliche Themen als dringend benennen. Das einzugrenzen, wird keine leichte Aufgabe. Alles auf einmal – von Zölibat über Familienthemen bis hin zur Unterdrückung von Christen in manchen Weltregionen – wird aber auch ein noch so ausführlich vorbereitetes Bischofstreffen nicht lösen können. Schließlich ist auch die Aussicht enttäuschend, dass trotz des langen Vorlaufs am Ende doch einer allein entscheidet: Der Papst, beraten durch die Weltbischofssynode, wird die Weltkirche voraussichtlich irgendwann in einem Lehrschreiben wissen lassen, was er beschlossen hat.

Echte Partizipation für Laien, mehr Gewicht für einzelne Teilkirchen sieht anders aus. Doch noch ist Zeit. Die Organisation des synodalen Prozesses könnte professionalisiert, Ebenen für echte Beteiligung eingezogen werden. Passiert das nicht, ist der weltweite synodale Prozess allerdings nicht viel mehr als eine gigantische Beschäftigungstherapie.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei der Katholischen Nachrichten-Agentur und bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.