Offenbar keine weiteren Vorwürfe gegen "Speckpater" Werenfried
Im Februar geriet "Kirche in Not"-Gründer unter Vorwurf sexualisierter Gewalt

Offenbar keine weiteren Vorwürfe gegen "Speckpater" Werenfried

Gegen ihn war im Februar der Vorwurf sexualisierter Gewalt erhoben worden: "Trotz vieler Nachforschungen auch in anderen Ländern haben wir keine Kenntnis von weiteren Vorwürfen gegen unseren Gründer Pater Werenfried", teilte "Kirche in Not" nun mit.

Königstein - 18.06.2021

Gegen den im Februar unter den Vorwurf sexualisierter Gewalt geratenen Pater Werenfried van Straaten (1913-2003), den Gründer des Hilfswerks "Kirche in Not", gibt es offenbar keine weiteren Vorwürfe. Der Geschäftsführende Präsident des katholischen Hilfswerks, Thomas Heine-Geldern, sagte am Freitag bei einer digitalen Pressekonferenz: "Trotz vieler Nachforschungen auch in anderen Ländern haben wir keine Kenntnis von weiteren Vorwürfen gegen unseren Gründer Pater Werenfried."

Das Hilfswerk habe "sehr offen und transparent" auf die Vorwürfe reagiert, sagte Heine-Geldern. Van Straaten, der in der Nachkriegszeit als "Speckpater" und erfolgreicher Spendensammler berühmt wurde, soll 1973 eine 20-jährige Frau sexuell genötigt haben. Das berichteten die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" im Februar. Es sei eine erhebliche Entschädigungssumme bezahlt worden, hieß in dem Artikel.

Arbeit von Vorwürfen "in keiner Weise" betroffen

Heine-Geldern sagte nun, die Arbeit des Hilfswerks sei von den im Februar veröffentlichten Vorwürfen "in keiner Weise" betroffen. "In den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 haben wir sogar eine noch stärkere Unterstützung unserer Wohltäter erfahren als je zuvor." Die Spender verstünden, dass die Unterstützung der "leidenden und verfolgten Kirche" weltweit das Hauptziel von "Kirche in Not" sei. Die "überwältigende Mehrheit" sei damit zufrieden gewesen, "wie wir mit diesen Vorwürfen umgegangen sind und dass wir uns von dem angeblichen Verhalten distanziert haben", sagte Heine-Geldern. Er äußerte sich am Freitag bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2020 des in Königstein ansässigen Hilfswerks "Kirche in Not" International auf Nachfrage zu den Vorwürfen gegen Pater Werenfried.

"Kirche in Not" sprach im Februar auf seiner Homepage von schweren Vorwürfen, die "zutiefst" bedauerlich seien. "Die Organisation distanziert sich umfassend von jeder Form des Verhaltens, wie es in dem Artikel Pater van Straaten vorgeworfen wird", erklärte Heine-Geldern seinerzeit. Er sprach damals vom Vorwurf der sexuellen Nötigung in einem Fall.

im vergangenen Jahr trotz der Corona-Krise steigende Spendeneinnahmen verbucht werden. Im Geschäftsjahr 2020 habe das Hilfswerk Spenden in Höhe von 122,7 Millionen Euro für notleidende und bedrängte Christen erhalten, hieß es. Im Vergleich zum Jahr 2019 seien 16,4 Millionen Euro mehr eingenommen worden - ein Plus von 15,4 Prozent. Mit den Spenden habe "Kirche in Not" 4.758 Projekte in 138 Ländern unterstützt. Das internationale Hilfswerk mit Sitz im hessischen Königsstein, das als Päpstliche Stiftung firmiert, hilft unter anderem bei der Ausbildung von Priestern und beim Bau oder der Sanierung von Kirchen, Pfarrhäusern, Klöstern, Priesterseminaren und Gemeindezentren. "Kirche in Not" arbeitet nach eigenen Angaben ausschließlich spendenfinanziert und erhält weder Einnahmen aus der Kirchensteuer noch andere öffentliche Gelder. (tmg/KNA)