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Standpunkt

Die katholische Kirche – eine Botschafterin der Vielfalt

Für die Streitigkeiten innerhalb der Kirche in Deutschland müssen immer wieder Begriffe herhalten – so auch das Wort "Diversität". Albrecht von Croy sieht gerade in der akzeptierten Vielfalt eine wichtige katholische Tradition.

Von Albrecht von Croy |  Bonn - 06.07.2021

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Sich im Juli aufs Glatteis zu begeben ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Doch wer sich in dieser Zeit dem Thema "Diversität und katholische Kirche" nähert, befindet sich schnell auf rutschigem Untergrund. Es soll stehen für Moderne, für Toleranz, für Weltoffenheit, für Universalität, sprich für allumfassend, also für katholisch. Doch wo zwei Lager, da zwei Interpretationen. Und so steht Diversität der anderen Seite als Synonym für rückständig, für starr, für verknöchert, für ausgrenzend, für tradionalistisch. Wie schon seit längerem in der katholischen Kirche in Deutschland stehen sich die beiden Seiten unversöhnlich gegenüber, führen ihren Kampf auf dem Boden von Begriffen.

Warum eigentlich? Richtig gedeutet ist gerade die katholische Kirche eine Botschafterin der Vielfalt: Es waren die geistlichen Orden, es waren charismatische Priester und Mönche, die sich im Namen Christi der Armen und Kranken annahmen. In ihren Hospizen und Herbergen fanden alle notleidenden Menschen unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Herkunft Aufnahme. Seitdem leistete und leistet Kirche Hilfe vorurteilsfrei, sie machte und macht keinen Halt vor vermeintlichen Grenzen der Weltanschauung, der Hautfarbe, der geschlechtlichen Orientierung, der ethnischen und kulturellen Herkunft oder der körperlichen und geistigen Fähigkeiten.

So unversöhnlich die Lager sich auch gegenüberstehen, auf eines konnten sie sich doch bisher einigen: Die "Caritas", die Liebe zu den Armen und Kranken ist eine der größten "Erfolgsgeschichten" der Kirche. Aus dieser früh akzeptierten Vielfalt lebt und handelt sie: Wir alle sollten uns deswegen dem Gedanken der Diversität verpflichtet fühlen. Gelebte Diversität ist Hinhören und Hinsehen, ist bewusste Inklusion, ist das gute Miteinander und die Nähe, die sich die Christen auf die Fahnen geschrieben haben.

Diversität meint nicht Reihenfolge oder Ranking ihrer Bestandteile, jedes Thema hat seinen gleichen Platz. Erst zusammen und eben gleichrangig ergibt sich das gute Bild des Bemühens, dem Menschen in seiner ganzen Fülle gerecht werden zu können. Das ist gute Tradition, das ist eine Chance zur Erneuerung und eben kein weiterer Grund für Streit!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.