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Standpunkt

Auch die Kirche trägt Verantwortung für nachhaltigen Wandel

"Eigentum verpflichtet": Dieser Passus aus dem Grundgesetz gilt auch für die Kirche, ist Gudrun Lux überzeugt. Die Politikerin plädiert deshalb dafür, dass sich Diözesen und Pfarreien mit ihrem Hab und Gut für das Wohl der Allgemeinheit einsetzen.

Von Gudrun Lux |  Bonn - 07.07.2021

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Ich bin Mitglied einer Genossenschaft. Wir haben einen Bauernhof. Die Kosten für Arbeitslöhne, Saatgut, Logistik teilen wir uns. Jede Woche erhalten wir einen Ernteanteil, gestern bekam ich Mangold und jungen Knoblauch, einen Salatkopf und knackige Gurken und noch einiges mehr. Alles bio, alles frisch geerntet. Die Familie saisonal, regional und auch vielfältig zu ernähren wird dadurch einfacher, immer wieder entdecken wir für uns neue Gemüsesorten.

Die Ernährungswende – weg von zu viel Fleisch und Flugobst, hin zu umweltfreundlich produzierter Nahrung – ist ein wichtiger Baustein für ein menschenverträgliches Weltklima, im Einsatz gegen die Überhitzung der Erde und die rücksichtslose Ausbeutung der Schöpfung. Unsere Genossenschaft will ihren Teil dazu beitragen, dass Menschen in der Großstadt eine nachhaltige Versorgungsstruktur haben, die gemeinwohlorientiert wirtschaftet. 1.800 Haushalte sind dabei, die Warteliste ist lang. Die Genossenschaft will wachsen. Es fehlt aber an Flächen.

Vor kurzem nun erreichte uns eine frohe Botschaft: Uns wurden Flächen angeboten, von Franziskanerinnen. Sie hatten ihren Acker bislang an einen konventionellen Großbauern verpachtet, der Pachtvertrag läuft bald aus und die Gemeinschaft hat sich entschieden, ihr Land nachhaltig bewirtschaften zu lassen. Diese Möglichkeit ist für unsere Genossenschaft ein unglaubliches Geschenk.

Mich hat es dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie die Kirche – ich subsumiere (Erz-)Bistümer, Pfarrstiftungen, Ordensgemeinschaften, Verbände usw. – mit ihrem Reichtum umgeht. Ja, die Kirche ist reich, im ganz weltlichen Sinne, an Geld und Kunstschätzen, aber auch an Gebäuden und an Grund und Boden. "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen", heißt es im Grundgesetz für alle. Wie viel mehr muss dies für die Kirche gelten!

Ehemalige Klöster, die nun als luxuriöse Eigentumswohnungen verkauft werden, lassen mich erschaudern. Wohnraum ist vielerorts so knapp und teuer, dass sich Paare gegen ein weiteres Kind entscheiden, weil es in der kleinen Stadtwohnung zu eng, eine Alternative nicht zu bezahlen oder gar nicht erst aufzutreiben ist. Ja, Eigentum verpflichtet. Deshalb muss aller kirchlicher Besitz einer Prüfung unterzogen werden: Wird er nachhaltig bewirtschaftet, zukunftsfähig und ökologisch eingesetzt, der Logik des Kapitalismus entzogen und dient dem Wohle der Allgemeinheit? Wo immer das nicht der Fall ist, müssen wir es ändern. Nicht am St.-Nimmerleinstag, sondern jetzt.

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist Stadträtin in München, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und der Synodalversammlung des Synodalen Weges. Von dieser wurde sie in das Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" entsandt.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.