Ackermann denkt offenbar über Zukunft als Missbrauchsbeauftragter nach
"Wie lange hat man dazu die Kraft und die Energie, das zu machen?"

Ackermann denkt offenbar über Zukunft als Missbrauchsbeauftragter nach

Nicht einmal ein Jahr war Stephan Ackermann Bischof, als er 2010 Missbrauchsbeauftragter der DBK wurde: Nun spricht er darüber, wie belastend diese Aufgabe ist. Wie lange er sie noch ausübt, ist offen. Und auch zu Bischofsrücktritten äußert er sich.

Trier - 08.07.2021

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann denkt offenbar über ein Ende seiner Tätigkeit als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nach. Gegenüber dem "Trierischen Volksfreund" (Donnerstag) antwortete er auf die Frage, ob der Missbrauchsbeauftragte auch in zwei Jahren noch Stephan Ackermann heißen werde, dass er das nicht sagen könne. Er habe aber auch keinen Nachfolger im Auge. Das Amt, das er seit 2010 ausübt, sei ein beanspruchender Job. "Die Aufgabe ist schon belastend, und die Frage ist: Wie lange hat man dazu die Kraft und die Energie, das zu machen und weiterzuentwickeln?", so Ackermann. Während seiner Amtszeit sei eine Verpflichtung gegenüber den Betroffenen gewachsen.

Aus den Projekten der Bischofskonferenz wie der MHG-Missbrauchsstudie seien immer wieder Verpflichtungen für neue Aufgaben entstanden. Es habe sich zunehmend gezeigt, "dass uns das gesamte Thema auf Dauer nicht loslassen wird". Daher stelle sich auch die Frage, wie das Thema auf Ebene der DBK künftig bearbeitet werde. "Was mir wichtig ist: Ich habe immer versucht, keine vollmundigen Ankündigungen zu machen, die man nicht einhalten kann, sondern nur das zu versprechen, was wir auch leisten können", betonte der Bischof. Auf die Rolle der Trierer Betroffenenorganisation "Missbit" angesprochen sagte Ackermann, dass er sie und ihre Rolle respektiere: "Das ist wie ein Stachel im Fleisch." Jeder Schwachpunkt werde aufgedeckt.

Bischöfe haben nicht über kollektiven Rücktritt gesprochen

Das Rücktrittsangebot seines Vorgängers als Bischof von Trier, des heutigen Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete Ackermann als "glaubwürdig und ehrlich". Er habe mit ihm auch darüber gesprochen. "Man hat auch vorher schon gespürt, dass das Ganze ihn sehr angreift und umtreibt; auch weil sein Bild von Kirche, Priester und Bischofsamt ein Stück weit zerbrochen ist. Deshalb: Respekt vor dem Schritt", berichtet Ackermann. Anders als die chilenischen Bischöfe hätten die deutschen Bischöfe nicht über einen kollektiven Rücktritt diskutiert. Dazu habe es bei der Herbstvollversammlung 2018, an der die MHG-Studie vorgestellt wurde, keine Gelegenheit gegeben. Auf die Vorstellung der Studie sei ohne Aussprache der Bischöfe untereinander unmittelbar die Pressekonferenz gefolgt. "Im Nachhinein kann man sagen: Das wäre eine Gelegenheit gewesen, unter dem Eindruck des Gehörten an dem Tag kollektiv den Rücktritt anzubieten", so Ackermann.

Stephan Ackermann wurde 2009 als Nachfolger von Reinhard Marx Bischof von Trier. Im Februar 2010 wurde er nach dem Öffentlichmachung von Missbrauchsfällen im Berliner Jesuitengymnasium Canisiuskolleg Beauftragter der DBK für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes. Im Bistum Trier hat die Aufarbeitungskommission Ende Juni ihre Arbeit aufgenommen, deren Einrichtung in allen Bistümern 2020 in einer Gemeinsamen Erklärung zwischen der Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vereinbart wurde. Zum kommissarischen Sprecher der Trierer Kommission bestimmten die Mitglieder den Juristen und früheren rheinland-pfälzischen Justizminister Gerhard Robbers. (fxn)