Schachfigur
Standpunkt

Die Einheit der Kirche zu gefährden, hilft niemandem weiter

Die Reformen des Synodalen Wegs gegen Rom behaupten, auch wenn dadurch die Einheit der Kirche zerbrechen würde: Diese Worte des BDKJ-Vorsitzenden Gregor Podschun haben Roland Müller aufhorchen lassen. Was steckt hinter dem "Säbelrasseln"?

Von Roland Müller |  Bonn - 21.07.2021

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"Die Priorität muss sein: Wir verhindern sexualisierte Gewalt, auch wenn wir damit die Einheit der Kirche zerstören." Dieser Satz des BDKJ-Vorsitzenden Gregor Podschun fiel in der vergangenen Woche in einem Interview – und lässt einen mit sehr gegensätzlichen Gefühlen zurück. Denn natürlich darf die Kirche kein Ort sein, an dem Kindern und Erwachsenen Gewalt, Missbrauch oder sonstiges Leid droht. Das war sie lange genug! Die Verhinderung von sexualisierter Gewalt hat in jedem Fall Priorität. Präventionskonzepte, Missbrauchsstudien und Aufarbeitungskommissionen wurden ins Leben gerufen, um genau diesem Ziel zu dienen. Dass alle diese Bemühungen nur schleppend vorankommen, steht außer Frage. Hier hat die Kirche immer noch einen weiten und unbequemen Weg vor sich.

Doch was will Podschun mit dem zweiten Teil seiner Äußerung sagen? Die Karte der Kircheneinheit zu spielen, mag hier und da Aufmerksamkeit generieren – besonders im Vorfeld der nächsten Synodalversammlung ist ein solches "Säbelrasseln" verständlich. Doch wird letztlich ein Gegensatz konstruiert, der keiner ist. Denn Kircheneinheit und Schutz vor sexualisierter Gewalt durch Reformen des Synodalen Wegs schließen sich nicht aus. Es gilt zu differenzieren: Verheiratete Priester etwa sind in bestimmten katholischen Teilkirchen bekannt und Elemente der gemeinschaftlichen Mitbestimmung haben in den Orden oder bei den Bischofswahlen in der Antike durchaus Tradition. Hier gibt es Anknüpfungspunkte für die notwendigen Reformen der Gegenwart, die im Dialog gefunden werden können, den gerade die Einheit innerhalb der Kirche ermöglicht. Bei der Priesterweihe für Frauen sieht es – jedenfalls im Moment – anders aus.

Ironischerweise ist die Aussage des Synodalen Podschun Wasser auf die Mühlen der Kritiker des Synodalen Wegs. Sie propagieren, dass die Kirche in Deutschland den Reformprozess initiiert hat, um einen nationalen Sonderweg zu gehen – eine infame Behauptung, der die Spitzen von Bischofskonferenz und Zentralkomitee stets widersprochen haben. Statt zu helfen, schadet die Aussage also. Denn Reformen, die gegen Missbrauch wirken sollen, benötigen nicht nur die Zustimmung der Bischöfe. Sie müssen auch freiwillig Teile ihrer Macht abgeben oder gemeinsam mit der wissenschaftlichen Theologie Wege finden, wertschätzend von verantwortungsvoll gelebter Sexualität zu sprechen. Erst in der Gemeinschaft ist es möglich, etwas Grundlegendes zu bewegen – in Sachen Missbrauchsaufarbeitung und -prävention, aber auch bei Kirchenreformen. Doch dazu muss man dicke Bretter bohren und immer wieder auf Veränderungen drängen, um sie schließlich umsetzen zu können. Porzellan zu zerbrechen und die Einheit der Kirche zu gefährden, hilft niemandem weiter.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.