Lüdecke: Priester haben bei "Alter Messe" keinen Spielraum mehr
Kirchenrechtler sieht alleinige Verantwortung beim Diözesanbischof

Lüdecke: Priester haben bei "Alter Messe" keinen Spielraum mehr

Mit "Traditionis custodes" habe Papst Franziskus die Feier der "Alten Messe" massiv eingeschränkt, betont der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke. Wer sie zelebrieren möchte, seien fortan allein vom Wohlwollen des jeweiligen Diözesanbischofs abhängig.

Frankfurt/Bonn - 21.07.2021

Papst Franziskus hat nach Einschätzung des Bonner Kirchenrechtlers Norbert Lüdecke die Feier der sogenannten Alten Messe massiv eingeschränkt. "Franziskus hat mit diesem neuen Gesetz das, was Benedikt XVI. erweitert hat, ganz stark zurückgeschnitten und in die alleinige Verantwortlichkeit und Überwachung des Diözesanbischofs gestellt", sagte Lüdecke am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Frankfurt.

Mit dem päpstlichen Erlass der Vorwoche ist nur noch die seit 1970 autorisierte Form der Messe legitimer Ausdruck des römischen Ritus. Laut dem Apostolischen Schreiben "Traditionis custodes" kann der Ortsbischof für seine Diözese den Gebrauch des Messbuchs von 1962 gestatten oder verbieten. Der Bischof allein bestimmt demnach die Kirchen und die Wochentage für die Feier nach dem alten lateinischen Messritus; zudem beauftragt er die Priester, die mit Gläubigen so die Eucharistie feiern wollen.

Zum Spielraum der Priester sagte der Kirchenrechtler: "Die Priester sind weiter dem Diözesanbischof unterstellt, und Gehorsam gehört zur Identität eines Priesters." Falls ein Bischof für sein Bistum weiter einschränkende Verfügungen erlasse, habe sich ein Priester daran zu halten. "Andernfalls sind Sanktionierungen möglich", sagte Lüdecke.

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Mit seinem neuen Motu Proprio hat Papst Franziskus die Feier der Alten Messe massiv eingeschränkt. Für Felix Neumann liegt in der Entscheidung ein klares Bekenntnis zur fortschreitenden Dynamik der Tradition: Der Weg der Kirche liege nicht darin, das Wahre im Gestern zu suchen. Eine Analyse.

Auf die Frage, ob es ein Zeichen von Dezentralisierung sei, dass der Papst in dieser Sache den Diözesanbischöfen das letzte Wort gebe, sagte Lüdecke: "Wenn der Papst gesetzlich verfügt, dass etwas in die Gewalt des Diözesanbischofs zurückverlagert wird oder dorthin kommt, ist das weder Synodalität noch Dezentralisierung. Denn die Zentrale hat entschieden. Der Papst hätte es ja auch lassen können."

Der Zeitpunkt der Entscheidung habe ihn überrascht, sagte der 62-jährige Lehrstuhlinhaber für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Es habe aber zuvor "Gerüchte in traditionalistischen Kreisen gegeben, dass so etwas befürchtet wurde".

Franziskus: Instrumentalisierung der außerordentlichen Form

Franziskus begründete seine Entscheidung damit, dass die alte "außerordentliche" Ritusform instrumentalisiert werde für eine innerkirchliche Opposition gegen die Reform-Beschlüssse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

An dem Motu proprio "Traditionis Custodes" gab es zum Teil scharfe Kritik. Una Voce, die internationale Vereinigung von Anhängern der Tridentinischen Messe, zeigte sich enttäuscht sowohl von der "Charakterisierung der Katholiken", die an der "Alten Messe" hängen, "als auch von den harten neuen Einschränkungen". Es seien "der Respekt vor dem Heiligen und der Sinn für die Kontinuität der Tradition", die Menschen in erster Linie zur traditionellen Messe hinzögen, "nicht theologische oder pastorale Diskussionen der Vergangenheit". Laut Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist es klare Absicht des neuen Erlasses, "die außerordentliche Form langfristig zum Aussterben zu verdammen". Franziskus' Begleitschreiben sei eine "Darstellung seiner subjektiven Reaktion". (mal/KNA)