Das Logo des Kunst- und Kulturpreises der deutschen Katholiken.
Bild: © KNA
Tanzkompagnie aus den Favelas von Rio de Janeiro

Katholischer Kunst- und Kulturpreis für Tänzerin Lia Rodrigues

Ihre Tanzkompagnie stammt aus den Favelas von Rio de Janeiro, ihr Werk tanzt gegen Totalitarismus an: Die Brasilianerin Lia Rodrigues erhält den Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken – erstmals in der Kategorie Tanz.

Bonn - 21.07.2021

Der mit 25.000 Euro dotierte Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken geht in diesem Jahr an die brasilianische Tänzerin Lia Rodrigues. Die Künstlerin und ihre aus den Favelas in Rio de Janeiro zusammengestellte Companhia de Dancas tanzten mit "Zorn und mit Zärtlichkeit gegen Totalitarismus und für Humanität", teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mit. Die Preisträgerin verstehe sich als "künstlerische Dissidentin und Aktivistin gegen die alltägliche Diskriminierung in Brasilien".

Die Auszeichnung wird von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vergeben, in diesem Jahr erstmals in der Kategorie Tanz. Bei der Preisverleihung am 28. September wird der Preis für "herausragende Leistungen im Schnittfeld von Kultur und Religion" übergeben. Die Laudatio hält der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg. Den Ort der Verleihung will die Bischofskonferenz zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

Der Kunst- und Kulturpreis ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche auf dem Kultursektor. Der Preis wird seit 1990 abwechselnd alle zwei bis vier Jahre vergeben.

Höchste katholische Kulturauszeichnung

Rodrigues gründete die Tanzkompanie den Angaben zufolge zunächst für klassisch an Akademien Ausgebildete und öffnete sie 2004 für begabte Tänzerinnen und Tänzer aus den Favelas. Sie initiierte das "Centro de Artes de Mare" und die "Free School of Dance", in der alle Tänzer gemeinsam trainieren und proben.

Die Corona-Pandemie habe Brasilien, vor allem die Favelas und auch die Tanzkompanie von Rodrigues hart getroffen. "Das Preisgeld kann der Companhia dabei helfen, mehrere abgesagte internationale Auftritte auszugleichen und neue Produktionen für die Zeit danach vorzubereiten", zitiert die Bischofskonferenz Rodriguez.

Die Jury unter Vorsitz der Tanz- und Theaterwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter würdigt Rodrigues aufgrund einer Kombination "eines großartigen künstlerischen Tanzwerks mit einem humanitären Engagement aus dem tiefen Glauben an die transformatorische Kraft des Tanzes". In ihren Stücken thematisiere sie "in kraftvoll-sinnlichen Szenen von barocker Bildkraft den Kampf um menschliche Würde und Menschenrechte". Die Tanzstücke "entstehen aus der Gemeinschaft mit den Ärmsten, mit den durch Rassismus und Diskriminierung Ausgeschlossenen. Sie versteht Tanz als eine Grundform menschlicher Bildung, die für alle da ist". (KNA)