Unterwegs mit Gott im Herzen und im Rucksack
Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

Unterwegs mit Gott im Herzen und im Rucksack

Ausgelegt! - Fernab von den Ufern des Sees Gennesaret hat Schwester Regina Greefrath viele kleine Brotvermehrungen erlebt. Sie ist einfach losgelaufen – und erfuhr die Fürsorge Gottes. Aufgrund dieser Erfahrung ist sie sicher: Das größere Wunder des Sonntagsevangeliums geschah verborgen vor den Augen der Jünger.

Von Sr. Regina Greefrath CSA |  Essen - 24.07.2021

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Impuls von Schwester Regina Greefrath

"Befiehl dem HERRN deinen Weg, vertrau ihm - er wird es fügen." (Ps 37,5) Was dieser Vers bedeutet, konnte ich ganz konkret erfahren, als ich 2007 auf dem Jakobsweg von Pamplona nach Santiago de Compostela gepilgert bin. Auf den Weg gemacht hatte ich mich mit einem gepackten Rucksack – alles andere ergab sich unterwegs.

Die Wochen des Unterwegsseins waren gefüllt mit vielen Begegnungen und kleinen Wundern, mit trauter Zweisamkeit mit Gott und Lebensphilosophie, mit Großzügigkeit und Dankbarkeit, mit gelebter Gemeinschaft und einsamen Stunden. Es ist schwer in Worte zu fassen, weil ein Pilgerweg vor allem auch ein innerer Weg ist. Beeindruckt hat mit vor allem die Bereitschaft zum Teilen – sei es Proviant oder auch die Reiseapotheke – und die Gastfreundschaft, die ich unterwegs erfahren durfte.

Mit vollem Herzen geben können, aber auch dankbar annehmen können, was mir geschenkt wird – und in allem, was man tut, auf die Fügung Gottes vertrauen: Das nahm ich vom Jakobsweg mit. Gott sorgt für uns, er verspricht uns ein Leben in Fülle und gibt jedem das, was er nötig hat, so dass niemand leer ausgeht.

Dies zeigt sich auch in der Darstellung der Brotvermehrung: Das bisschen Brot und das bisschen Fisch, das der kleine Junge dabei hat, ist augenscheinlich nichts – im Vergleich zu der Menschenmenge, die davon essen soll – und ist doch alles. Jesus verteilt das Brot einfach – das kann nur jemand wagen, der ein unerschütterliches Gottvertrauen hat. Und siehe da, es reicht. Jesus macht Philippus, der eher berechnend an die Sache herangeht und überlegt, dass 200 Denare nicht ausreichen würden, um genug Brot für alle zu kaufen, und auch uns deutlich: Geld ist nicht alles, und der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Das, was Jesus uns schenken kann, ist weit mehr als Nahrung für den Leib. Er selbst ist das Brot des Lebens, er gibt sich in der Eucharistie ganz in unsere Hand, damit wir teilhaben an ihm. Und dies geschieht ganz leise und unaufdringlich, weil hier vor allem auch unsere Seele, unser Herz Nahrung bekommt. Das Wunder, das sich hier abspielt, geschieht nicht als Sensation vor den Augen der Menschen, die Jesus gefolgt waren, weil sie von seinen Taten gehört hatten und darauf warteten, dass er etwas Besonderes machte. Nein, das Wunder geschieht an den Menschen, es erreicht und verwandelt ihre Herzen. Wichtig ist, dass wir uns für das Wirken Gottes an uns öffnen und uns ihm anvertrauen können, wozu uns auch Psalm 37 ermutigt: "Befiehl dem HERRN deinen Weg, vertrau ihm - er wird es fügen."

Von Sr. Regina Greefrath CSA

Evangelium nach Johannes (Joh 6,1–15)

In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.

Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.

Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?

Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.

Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt! Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.

Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.