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Standpunkt

Ungarn, die Spähsoftware und der Papst

Mit der Späh-Software Pegasus hat auch ein Staat in Europa kritische Medienschaffende ausspioniert: Ungarn, dort findet im Herbst auch der Eucharistische Kongress statt, zu dem auch Papst Franziskus anreist. Ein Zeichen, kommentiert Gudrun Sailer.

Von Gudrun Sailer |  Bonn - 24.07.2021

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Stichwort Pegasus: Was die investigativen Recherchen einer Gruppe von 80 Journalisten und Journalistinnen über Spähangriffe einzelner Staaten gegen Oppositionelle und kritische Medienleute zutage brachten, ist erschreckend. Noch erschreckender ist, dass die Software, die laut der israelischen Entwicklerfirma NSO Group ausschließlich an Regierungen verkauft wird, offenbar auch von einem Staat mitten in Europa – Ungarn - dazu genutzt wurde, regierungskritische Reporter auszuspionieren.

"Pegasus" ist eine Cyberwaffe, die Staaten dabei helfen soll, die Machenschaften von Terroristen, Kinderschändern, Mafiosi und Drogenbossen zu durchkreuzen. Niemand zweifelt daran, dass die Software weltweit abscheuliche Verbrechen verhindert und Menschenleben gerettet hat. Aber ihr Einsatz gegen Medienleute, die der Öffentlichkeit mit investigativen und kritischen Recherchen einen Dienst erweisen, ist illegal und demokratiepolitisch bedenklich. Journalisten können nicht mit Terroristen in eine Reihe gestellt werden. Sie bringen auch mal unbequeme Wahrheiten ans Licht, das schon. Die Pegasus-Recherche zeigt genau das.

Für den Ruf Ungarns in Europa ist die Späh-Affäre nur ein Mosaikstein mehr, der ins Bild passt. Aufgrund der zunehmend autoritären Regierungsführung in Budapest fremdeln die meisten übrigen EU-Staaten schon seit Jahren mit Orbans Ungarn. Deshalb schien es bis Anfang des Jahres in diplomatischen Kreisen rund um den Heiligen Stuhl schwer vorstellbar, dass Papst Franziskus nach Ungarn reist. Doch im März bestätigte der Vatikan: Das Kirchenoberhaupt feiert am 12. September die Schlussmesse beim Internationalen Eucharistischen Kongress. "Triff Christus in Budapest", lautet das Motto.  

Viele Menschen in Ungarn freuen sich enorm auf den Papst. Und auch wenn es entschieden keine politische Reise nach Budapest wird und der Anlass rein religiös ist: Franziskus hat schon mit ganz anderen Reisedestinationen wie Kuba, Aserbaidschan oder den Vereinigten Arabischen Emiraten bewiesen, dass er Verbindendes über Trennendes stellt und Brücken schlagen kann, wo Politik keine sieht. Fest steht auch, dass jedes Wort, das der Papst in Budapest sagt, mit großer Aufmerksamkeit registriert werden wird. Ganz straight und ohne Späh-Software.

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Vatican News".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.