Großeltern mit Enkelkind
Mehrgenerationen-Fest ist Teil des "Amoris-laetitia"-Familienjahres von Franziskus

Warum dem Papst die Großeltern und andere Senioren am Herzen liegen

Heute feiert die katholische Kirche den ersten Welttag der Großeltern und alten Menschen. Eine Idee des Papstes, der damit das Miteinander der Generationen wiederbeleben will – auch vor dem Hintergrund der Pandemie.

Von Roland Juchem (KNA) |  Vatikanstadt - 25.07.2021

Es soll ein Fest werden. "Das brauchen wir jetzt", sagte Kurienkardinal Kevin Farrell bei der Vorstellung einer Idee von Papst Franziskus. Der erste "Welttag für Großeltern und Ältere" müsse ein Fest werden. Opas, Omas, Enkel, Alt und Jung "müssen wahrlich feiern nach einem solch schwierigen Jahr", so Farrell, als er Ende Juni den neuen katholischen Aktions- und Festtag vorstellte. Der wird nun erstmals am 25. Juli begangen.

Die Initiative für mehr Generationen-Kontakte ist Teil des von Franziskus ebenfalls initiierten "Amoris-laetitia"-Familienjahres, das am 19. März begann. Dieses wiederum soll fünf Jahre nach Erscheinen des gleichnamigen Papst-Schreibens zum Thema noch einmal dessen wesentliche Anliegen bewusst machen. Eines davon ist das Miteinander der Generationen.

Papst Franziskus hat es mit alten Menschen, vor allem mit Großeltern. Immer wieder erwähnt der Sohn italienischer Auswanderer, wie sehr ihn seine eigene Großmutter Rosa geprägt hat. Die Mutter seines Vaters, wegen deren antifaschistischer Haltung die Familie nach Argentinien auswanderte, brachte ihm Ausdrücke und Wendungen des piemontesischen Dialekts bei. Sie prägte die Glaubenserfahrungen und Frömmigkeit des jungen Jorge Bergoglio.

Was der Papst von seinen Großeltern lernte

So habe sie ihm und seinen Geschwistern etwa beigebracht: "Kinder, das letzte Hemd hat keine Taschen", zitierte er sie in einer seiner ersten Predigten als Papst. Ihr Testament bewahrt er in seinem Brevier auf. "Ich lese es oft: Es ist für mich wie ein Gebet", gestand der Papst einmal. "Sie ist eine Heilige, die so viel gelitten hat - auch moralisch. Sie ist immer mit Mut vorangegangen."

Von den Werken des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin (1770-1843) habe schon immer das Gedicht "Meiner verehrungswürdigen Großmutter zu ihrem 72sten Geburtstag" gefallen, bekannte Franziskus in einem seiner ersten Interviews. Es berühre ihn, weil er seine Großmutter sehr geliebt habe, so der Papst. In dem Gedicht stellt Hölderlin seine Großmutter neben die Gottesmutter Maria.

Da ist es nur folgerichtig, wenn Franziskus das Verhältnis zu seinem emeritierten Vorgänger ebenfalls familiär fasst. Benedikt XVI. sei wie ein Großvater im Haus, den man um Rat fragen könne oder sich von ihm erzählen lassen. Doch nicht nur aufs Alter schaut der Papst - stärker belebend ist für ihn die Jugend.

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Mag Franziskus auf Reisen bei formalen Begegnungen mitunter müde oder gelangweilt wirken: Spricht er kurz darauf mit jungen Menschen, ist er wie ausgewechselt. Frisch, witzig, direkt ermuntert er junge Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen, kreativ und wagemutig sein. Allerdings müssten sie dabei auf ihre Wurzeln achten - also auf Eltern und Großeltern.

Immer wieder greift er dieses Bild auf vom Baum, der Wurzeln ebenso braucht wie sprießende Zweige frischen Grüns. Vermutlich wäre Franziskus selber gerne ein "nonno" - ein Opa ... Dabei idealisiert er das Großeltern-Sein keineswegs.

Alt und müde wie eine "unfruchtbare Großmutter" nannte der Papst Europa bei einem Besuch in Straßburg. Ebenso deutlich kritisiert er Vernachlässigung, Einsamkeit, ja "Entsorgung" alter Menschen. Gerade in der Pandemie. Deshalb soll nach Lockdown und Abstandswahrung der erste "Welttag der Großeltern und Alten" auch die Zärtlichkeit persönlicher Begegnungen fördern - körperlich, seelisch und sozial. "Zärtlichkeit", so Kardinal Farrell, "ist nicht nur ein privates Gefühl, das Wunden lindert, sondern eine Art der Beziehung zu anderen, die auch öffentlich gelebt werden sollte".

Nähe zu Anna und Joachim, den Großeltern Jesu

Man habe sich in der Pandemie daran gewöhnt, allein zu leben, sich nicht zu umarmen, gar andere als Bedrohung für die eigene Gesundheit zu sehen. Jetzt aber, so die Vision des Mehrgenerationen-Tages, holen junge Menschen alte Menschen aus Isolation und Einsamkeit, Alte geben Jungen nach Monaten des Online-Lebens wieder Orientierung und Mut. Wie das konkret geschehen soll und kann, ist dann Sache der Diözesen, Gemeinden, Familien und Nachbarschaften.

Einen Hinweis gibt das poetisch formulierte Motto: "Möge jeder Großvater, jede Großmutter, jeder ältere Mensch - vor allem jene unter uns, die besonders einsam sind - den Besuch eines Engels erhalten!" Insofern wäre der Aktionstag für Großeltern und andere alte Menschen ein Tag der offenen Türen.

Den vierten Sonntag im Juli als Datum hatte man deshalb gewählt, weil er dem Namenstag der biblisch nicht belegten Großeltern Jesu mütterlicherseits, Anna und Joachim, am nächsten liegt: 26. Juli. Anna, hebräisch Hannah, wird in mehreren inoffiziellen, apokryphen Schriften des 2. bis 6. Jahrhunderts als Mutter Marias von Nazareth genannt, ihr Mann war demnach Joachim (hebr. Jojakim).

Von Roland Juchem (KNA)