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Solidarität verpflichtet: Es müssen sich dringend mehr impfen lassen!

Die Zahl der Corona-Impfungen in Deutschland stagniert. Doch es fehlt längst nicht mehr an Impfstoff, sondern am Willen vieler, sich immunisieren zu lassen. Claudia Nothelle fordert dringend dazu auf – aus Solidarität mit allen, die es nicht können.

Von Claudia Nothelle |  Bonn - 27.07.2021

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In Frankreich gilt jetzt die Impfpflicht für die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Bei uns steigt die Zahl der Erstimpfungen nur noch sehr langsam an. Und so wird – wieder einmal – über unterschiedliche Rechte für Geimpfte und Nicht-Geimpfte diskutiert. Dieses Mal allerdings sind die Voraussetzungen andere. Denn alle Erwachsenen, bei denen aus gesundheitlichen Gründen nichts dagegenspricht, können sich impfen lassen. Nicht der Impfstoff ist knapp, nicht die Termine fehlen, sondern es mangelt an Willen, Überzeugung – oder einfach am nötigen Engagement. Ähnliches übrigens ist auch aus den USA zu hören. Eine Impfaktion auf dem Möbelhausparkplatz oder auch ein Bus in der Fußgängerzone können noch die eine oder den anderen erreichen. Aber die so sehr erhoffte Herdenimmunität ist im Augenblick in weiter Ferne.

Manche erklären (zumindest für sich und ihre Umgebung) die Pandemie für beendet und wollen einen sorgenfreien Sommer genießen. Spanien und die Niederlande gelten bereits wieder als Hochrisikogebiet. Andere europäische Länder als Risikogebiet – und in Deutschland selbst steigen die Zahlen auch. Und auch wenn die Impfungen keinen 100-prozentigen Schutz bieten (welche Impfung tut das schon), so liegen die Vorteile deutlich auf der Hand.

Drei verschiedene Möglichkeiten werden diskutiert: Von Anreizen wie einer großen Lotterie für Frisch-Geimpfte ist die Rede, von Freiheiten wie Konzerte, Reise oder Restaurants nur für Geimpfte oder schließlich von einer Impfpflicht zumindest für Menschen in bestimmten Berufen wie in Frankreich.

Die Situation ist eine ganz andere als im Frühjahr, als das Plädoyer hieß, Geimpfte sollten aus Solidarität mit den Nicht-Geimpften auf ihre Freiheiten verzichten. Jetzt muss es andersherum heißen: Impfen lassen aus Solidarität für diejenigen, die entweder zu jung sind oder es aus gesundheitlichen Gründen nicht können. Wer es dennoch nicht tut, kann sich vielleicht so entscheiden, darf aber nicht darauf setzen, dass alle anderen geduldig mit den freiwillig Ungeimpften das Ende der Pandemie abwarten.

Von Claudia Nothelle

Die Autorin

Claudia Nothelle lehrt Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal, ist Aufsichtsratsvorsitzende der katholischen Journalistenschule ifp und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.