Schachfigur
Standpunkt

Die Priesterausbildung braucht Kooperation

Um den gesellschaftlichen Entwicklungen zu begegnen, passen 14 Bistümer in Deutschland ihre Priesterausbildung an und wollen mehr zusammenarbeiten. Bei dieser Kooperation sollte es nicht bleiben, kommentiert Christoph Brüwer.

Von Christoph Brüwer |  Bonn - 28.07.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Künftig wollen 14 Bistümer im Norden, Osten und Westen von Deutschland noch enger bei der Priesterausbildung kooperieren. Dazu soll die Ausbildung angehender Priester mehr mit der anderer Seelsorgerinnen und Seelsorger verzahnt werden. Zudem sollen die Seminaristen drei Sonderkurse in den Standorten Erfurt, Hamburg und Paderborn absolvieren. 

Dass die Priesterausbildung verändert werden muss, steht außer Frage. Die Zahl der Priesteranwärter sinkt seit Jahrzehnten. Diese Modernisierung der Priesterausbildung kann nur über Kooperationen gehen. Denn nur so können die Standards in allen Bistümern angeglichen – und auch angehoben werden. Von den guten Erfahrungen, die einzelne Bistümer beispielsweise schon länger durch die gemeinsame Ausbildung von pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Priestern gesammelt haben, können so auch andere Verantwortliche profitieren und diese etablieren.

Aber nicht nur die Zahl der Priesteranwärter geht zurück, auch die Ressourcen generell werden geringer. Durch Zentralisierung und Kooperationen könnten sich so Priester, die bisher in der Ausbildung anderer Priester eingesetzt waren, wieder vermehrt der Seelsorge widmen, statt für eine immer geringere Zahl an Priesteranwärtern mehr oder minder das gleiche zu tun wie ihre Priesterkollegen im Nachbarbistum auch.

Letztlich macht auch die Zusammenfassung der Sonderkurse an zentralen Standorten Sinn, damit junge Priesteranwärter lernen, buchstäblich über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen. Denn in der Ausbildung ist nicht abzusehen, wo die jungen Männer in Zukunft eingesetzt werden. Die pastorale Situation in einer Großstadt wie Hamburg, Berlin oder München entscheidet sich allerdings eklatant von der in einem Dorf in der Diaspora oder einem katholisch geprägten Städtchen. Diese verschiedenen Situationen schon in der Ausbildung kennenzulernen, kann es auch später erleichtern, sich nach einem Stellenwechsel schnell einzufinden.

Kooperationen in der Priesterausbildung gibt es natürlich nicht nur unter den 14 jetzt beteiligten Bistümern. Wünschenswert wäre aber, dass alle 27 Diözesen gemeinsam an einer Neuorganisation der Priesterausbildung in Deutschland arbeiten. Denn nicht nur sie würden davon profitieren: Auch einem Priesteranwärter aus Bayern würde es für seine spätere Arbeit mit Sicherheit nicht schaden, einmal das Gemeindeleben und den Katholizismus in Ostdeutschland oder dem Ruhrgebiet kennenzulernen.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.