Priester tritt Pfarrstelle nicht an – weil er heiraten will
Bisheriger Kaplan will sich zunächst zurückziehen

Priester tritt Pfarrstelle nicht an – weil er heiraten will

Seine neue Pfarrei hatte sich schon auf Sebastian Lambertz gefreut – doch der Priester hat einen anderen Weg gewählt: Er gibt sein Amt auf, um zu heiraten. In einem Brief schreibt er über die Gründe und blickt froh in die Zukunft.

Neuss - 29.07.2021

Eigentlich war alles schon geplant: Der Priester Sebastian Lambertz war Ende Juni als Pfarrverweser und Kaplan im Süden von Neuss verabschiedet worden und sollte im September Pfarrer in Hilden und Haan werden. Doch daraus wird nichts, denn Lambertz will heiraten. Er hat den Gläubigen einen Brief geschrieben, in dem er seine Gründe erläutert.

Er habe gerne seine Aufgabe in Neuss erfüllt, schreibt er, wenn es auch "manche Hürde" zu bewältigen gab. Dabei habe er sich immer wieder an seine Weiheversprechen erinnert, "die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten" und "mich mit Christus dem Herrn von Tag zu Tag enger zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben". "Ich konnte aus der tiefen Überzeugung meines Herzens Ja sagen zu diesem Schritt und meiner Bereitschaft, mich ganz in den Dienst Christi und seiner Kirche nehmen zu lassen", schreibt Lambertz.

Heute, nach einem "Jahr der Prüfung", wie er formuliert, habe er allerdings erkennen müssen, dass er das vor acht Jahren gegebene Versprechen nicht halten möchte. "Ich muss mir und Euch eingestehen, dass ich zu der Erkenntnis gelangt bin, dass der Herr mich zu etwas Anderem ruft."

Abschied ohne Groll

Lambertz geht ohne Groll: Seine Liebe zur Kirche sei immer noch ungebrochen und die Begleitung durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und die anderen Personalverantwortlichen sehr einfühlsam gewesen. Den Zölibat stellt er nicht infrage – und begründet damit auch seinen Schritt: "Ich weiß, dass meine Liebe zu einer Frau die Exklusivität meiner Christusbeziehung einschränkt und ich sie damit nicht an die erste Stelle stellen könnte, wie es die zölibatäre Lebensform unbedingt erfordert. Das habe ich in den vergangenen Monaten gespürt und musste deshalb auch konsequent sein – so wie ich es auch von anderen erwarten würde."

Weiter schreibt Lambertz, er sei sich der Überraschung und auch Enttäuschung bewusst, die er nun auslöse. Dafür bittet er um Verzeihung. "Ich hoffe so sehr, dass es nicht den Glauben infrage stellt, der uns gemeinsam trägt."

Gleichzeitig empfinde er eine "immerzu wachsenden Freude", mit der er in die Zukunft sehe. "Ich darf erfahren, welch großes Geschenk es ist, sich von einem anderen Menschen so geliebt und angenommen zu wissen. Das stärkt mich in diesen Tagen des Abschiedes und Aufbruchs." Er kündigt an, dass er sich nun erst einmal etwas zurückziehen will und bittet, ihm "die notwendige Privatsphäre zu gewähren, die ich in den vergangenen Jahren nicht immer hatte."

Woelki hat Lambertz von seinem Priesteramt suspendiert. In Hilden und Haan bleibt der bisherige Pfarrverweser zunächst im Amt, bis eine Lösung gefunden ist. (cph)