Spritze mit einer Impfdosis gegen Covid-19
Verweigerer müssten logische Konsequenzen hinnehmen

Katholischer Verband: Moralische und ethische Impfpflicht für Christen

Deutschland debattiert über eine generelle Corona-Impfpflicht. Diese sei nicht durchsetzbar, betont der Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung. Doch es sei Christenpflicht, nicht nur sich selbst, sondern auch andere zu schützen.

Essen/Paderborn - 29.07.2021

Nach Ansicht des Bundesverbands der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) haben Christen eine Pflicht, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. "Wir sind als Christen verpflichtet, nicht nur uns, sondern auch unsere Mitmenschen zu schützen", erklärte der Vorsitzende des KKV-Bundesverbandes, Josef Ridders, am Donnerstag. Deshalb gebe es eine "moralische und ethische Impfpflicht". Er könne verantwortungsvolle Christen nicht verstehen, die sich und andere gefährdeten, indem sie sich dem überschaubaren Risiko einer Schutzimpfung entzögen.

Eine allgemeine Impfpflicht sei sicher nicht durchsetzbar. In bestimmten Berufsgruppen wie im Gesundheits- und Bildungswesen müsse man eine solche Pflicht aber in Betracht ziehen, um etwa den Betrieb von Schulen und Kitas dauerhaft sicherzustellen. Logische Konsequenzen für Impfverweigerer müsse die Übernahme von Testkosten sowie Einschränkungen bei Veranstaltungen oder verschärften Quarantäneregelungen bei Reisen sein.

Auch der Paderborner Moraltheologe und Geistliche Beirat des KKV, Peter Schallenberg, sieht Christen in der Pflicht, sich impfen zu lassen. "Ich persönlich glaube schon, dass man sich im Gewissen ernsthaft befragen muss, wenn man sich nicht impfen lassen will." Denn man schütze mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur sich selbst, sondern auch andere gegen Ansteckung.

Für manche Berufsgruppen letztes Mittel der Wahl

Seit mehreren Tagen diskutieren Politik und Ethikexperten über eine Impfpflicht oder mögliche Vorteile für Geimpfte im öffentlichen Leben. Für eine generelle rechtliche Impfpflicht gibt es nach Ansicht des Tübinger Moraltheologen Franz-Josef Bormann, Mitglied im Deutschen Ethikrat, "aus guten Gründen sehr hohe Hürden". Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte Bormann am Dienstag, nach moralischen Maßstäben sei indes jeder verpflichtet, über eine Impfung nachzudenken, "weil nur sehr wenig dagegenspricht". Für Berufsgruppen wie etwa Altenpflegekräfte oder Krankenhauspersonal kann aus Bormanns Sicht allerdings eine Impfpflicht das letzte Mittel der Wahl sein. Jeder habe die Verpflichtung, Schäden für sich und andere möglichst klein zu halten; dies gelte besonders für die Menschen, die mit gefährdeten Gruppen wie Alten oder Kranken arbeiteten.

Auch das Ethikratsmitglied Andreas Lob-Hüdepohl lehnt eine Impfpflicht momentan ab. Wegen der derzeitigen Impfbereitschaft sei sie noch nicht erforderlich, um eine Herdenimmunität zu erreichen, sagte der Berliner Moraltheologe im Inforadio des rbb. Getestete Ungeimpfte könne man nur dann ausschließen, wenn es eine große Differenz in den Sicherheitslagen gebe. "Und dann ist das durchaus legitim, denn es gibt ja für alle ein Impfangebot. Das unterscheidet sich von der Lage noch von vor drei, vier Monaten."

Der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte am Mittwoch an die Menschen in seinem Bistum appelliert, sich zum Schutz gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Impfung sei  zwar eine individuelle Entscheidung, es gehe dabei aber nicht nur um die eigene Person. "Sich impfen zu lassen, bedeutet nicht nur mehr Schutz und Freiheit für Sie, sondern für uns alle in unserer Gesellschaft", so Bätzing. Es sei daher auch ein Ausdruck von Solidarität und Nächstenliebe. (mal/KNA)