Der Arzt Christoph Goldbecker vor seiner Arztpraxis im Pfarrhaus
Trierer Gemeinde stellte provisorische Räume zur Verfügung

Nach Flut: Arztpraxis ins Pfarrhaus verlegt

Nach der verheerenden Flut empfängt er seine Patienten im Pfarrhaus: Christoph Goldbecker erhielt von der Trierer Gemeinde Sankt Peter provisorische Räume für seine Praxis. Zu sehen, dass es schrittweise vorangeht, stimmt den Arzt zuversichtlich.

Trier - 30.07.2021

Arztpraxis nun im Pfarrhaus: Wasser und Schlamm drangen Mitte Juli auch in die Hausarztpraxis von Christoph Goldbecker im Trierer Stadtteil Ehrang ein und machte sie für Wochen unbrauchbar. Kurzerhand nahm der Mediziner das Angebot der katholischen Kirche im Ort an und eröffnete eine provisorische Praxis in den Räumen des Pfarrhauses. Der Allgemeinmediziner und seine Mitarbeiterinnen bieten nun für ein paar Wochen in den Räumen der Pfarrei Sankt Peter eine grundlegende medizinische Versorgung an.

Der Mediziner sieht die Lage pragmatisch: "Wir haben eine Katastrophe, da läuft es nicht normal weiter und wir müssen jetzt mit der Situation arbeiten", sagte Goldbecker. Das Pfarrhaus bietet genug Raum für ein Behandlungszimmer, eine Anmeldung mit provisorischem Wartebereich im Eingang und einen Lagerraum. Computer und medizinische Geräte in seiner Praxis ließen sich auf Tischen und Bänken vor dem Wasser schützen. Im Behandlungszimmer im Pfarrhaus hat Goldbecker nun Wundversorgungsmaterial, Medikamente, eine Liege, Schreibtische und Computer aufgebaut.

"Dass es Stück für Stück vorangeht, stimmt mich zuversichtlich"

Goldbecker kennt es, im Krisenmodus zu arbeiten. Er ist Notfallmediziner und -seelsorger, hat in Flüchtlingslagern im Sudan Menschen versorgt und ist seit 30 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr. "Man kann in der Medizin auch mit viel einfacheren Mitteln wirksam arbeiten, als wir das in unserer Luxusmedizin gewohnt sind", ist er überzeugt. In einer Ausnahmesituation gelte es, sich auf das zu konzentrieren, "was wirklich wichtig ist". Dazu zähle, Notfälle und Wunden zu behandeln, aber auch, Erwachsene und Kinder, die ihr Zuhause verloren haben, psychisch zu stützen.

"Ich war mit der Feuerwehr gegen die Flut im Einsatz und habe erlebt, wie Ehrang voll Wasser gelaufen ist", berichtete er. Viele Häuser im Ort traf das Hochwasser sehr stark. "Am ersten Abend war ich traurig und dachte, wie soll das hier wieder werden. Aber am nächsten Morgen habe ich mir gesagt, es muss jetzt weitergehen – und zu sehen, dass es Stück für Stück vorangeht, das stimmt mich sehr zuversichtlich", sagte er. Diese Haltung erlebe er auch bei vielen Menschen im Stadtteil. Einen Fortschritt zu sehen hebe die Stimmung und stifte Hoffnung. In seiner Praxis gingen die Arbeiten so gut voran, dass er hoffe, Anfang September wieder dort arbeiten zu können. (KNA)