Bischöfe und EKD-Vertreter veröffentlichen gemeinsame Erklärung

Deutsche Kirchenvertreter dringen auf schnelle Hilfe für Afghanistan

Aktualisiert am 18.08.2021  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Zutiefst erschüttert über die derzeitige Situation in Afghanistan zeigen sich drei katholische Bischöfe und zwei Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland: In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie konkrete Schritte, um diese Not zu lindern.

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Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland dringen auf schnelle Hilfe für Afghanistan. "Die verzweifelte Situation, in der sich gegenwärtig viele Afghaninnen und Afghanen befinden, ist zutiefst erschütternd", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. "Angesichts dieser akuten Not ist es der falsche Zeitpunkt, mit Schuldzuweisungen auf diese Situation zu reagieren. Vielmehr kommt es nun auf konkrete Schritte an, um diese Not zu lindern."

Unterzeichnet haben die Erklärung Renke Brahms als Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Bernhard Felmberg, evangelischer Bischof für die Seelsorge in der Bundeswehr, der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf als Präsident der Deutschen Sektion Pax Christi, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck als katholischer Militärbischof und der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer SCJ als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax.

Die Kirchenvertreter fordern, schnelle Hilfe und Ausreisen zu ermöglichen sowie Asyl zu gewähren. "Die deutsche Bundesregierung möge darüber hinaus auch jenen Menschen unkompliziert ein Bleiberecht in Deutschland gewähren, die schon vor 2013 mit der Bundeswehr, zum Beispiel als Übersetzer, kooperiert haben."

"Das sind wir den Menschen in Afghanistan schuldig..."

Erst danach sei es geboten, den Einsatz in Afghanistan "unvoreingenommen und nach klaren Kriterien" zu evaluieren, so dass auch Konsequenzen für eine zukünftige Außen- und Sicherheitspolitik der westlichen Staaten gezogen werden könnten. "Das sind wir den Menschen in Afghanistan schuldig, aber auch den vielen internationalen Einsatzkräften, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in Afghanistan engagiert und persönliche Opfer gebracht haben und die jetzige Situation mit Erschütterung und Ohnmacht erleben müssen."

Weiter heißt es in der Erklärung: "Schließlich hoffen wir von ganzem Herzen, dass alle Beteiligten ihre Waffen schweigen lassen und gemeinsam an einer friedlichen Lösung arbeiten. Möge die Not der Menschen ihnen ein offenes Herz und einen neuen Geist geben. Darum bitten wir und dafür beten wir."

Bereits zuvor hatten sich Kirchenvertreter zur Situation in Afghanistan geäußert. Laut dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, geäußert stellt die Machtübernahme der Taliban "eine desaströse Niederlage" der USA und anderer westlicher Staaten dar. Nun sei eine Renaissance des islamistischen Terrorismus nicht unwahrscheinlich, so der Limburger Bischof. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief Europa und die internationale Gemeinschaft dazu auf, mit den Taliban zu sprechen. Ziel müsse sein, dass deren Regierung mit den Menschen in Afghanistan "so human wie es eben möglich ist" umgehe, sagte der Vorsitzende der DBK-Kommission Weltkirche. (tmg/KNA)