Im am stärksten betroffenen Bistum Haitis 60 Prozent aller Gotteshäuser zerstört

Nach Erdbeben: Katholische Kirche zieht katastrophale Schadensbilanz

Aktualisiert am 24.08.2021  –  Lesedauer: 

Port-au-Prince ‐ Das verheerende Erdbeben in Haiti liegt zehn Tage zurück. Jetzt zieht die katholische Kirche eine erste Schadensbilanz: Zu tausenden Toten, Verletzten und Vermissten kommen Schäden an unzähligen Kirchengebäuden.

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Zehn Tage nach dem verheerenden Erdbeben im Karibikstaat Haiti hat die katholische Kirche des Landes eine Bilanz über die Schäden durch die Katastrophe gezogen. Zusätzlich zu den mittlerweile gezählten 2.207 Toten, 344 Vermissten und 12.268 Verletzten habe das Beben der Stärke 7,2 enorme Zerstörungen an unzähligen Gebäuden hinterlassen, darunter auch viele Kirchen. In der am stärksten betroffenen katholischen Diözese Jeremie seien sogar 60 Prozent aller Kirchen zerstört worden, teilte Ortsbischof Joseph Gontrand Decoste dem Hilfswerk "Kirche in Not" (Dienstag) mit. Zuvor hatte es aus der im Süden gelegenen Kirchenprovinz wegen unterbrochener Zugangswege kaum Informationen gegeben.

Etliche der nun zerstörten Kirchen waren schon 2016 durch den Hurrikan Mathew stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wie der Bischof erklärte. Bei dem Beben am 14. August hätten 26 Kirchen seiner Diözese schwere Schäden erlitten; 11 seien komplett eingestürzt. Auch Decostes Bischofskirche, die Kathedrale St. Louis, sei betroffen.

Das Epizentrum des Bebens lag in der Diözese Les Cayes. Ihr Bischof, Kardinal Chibly Langlois, wurde beim Einsturz des Bischofshauses nicht verschüttet, wie zunächst berichtet worden war. Projektpartner vor Ort hätten inzwischen bestätigt, dass er sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte, berichtete der geschäftsführende Präsident von "Kirche in Not", Thomas Heine-Geldern.

Papst spendet 200.000 Euro für Erdbeben-Nothilfe

Die internationale Stiftung hatte der Kirche in Haiti bereits unmittelbar nach dem Beben ein Nothilfepaket von einer halben Million Euro zugesagt, etwa durch lebensnotwendige Güter, Wiederherstellung diözesaner Medien wie etwa der lokalen katholischen Radiosender oder Unterstützung des örtlichen Klerus mit Messstipendien. Die Wiederaufbauarbeiten und das Eintreffen der humanitären Hilfe sind laut Auskünften der Kirchenvertreter vor Ort durch fehlende Telefonverbindungen und zerstörte Infrastruktur beeinträchtigt. Erschwerend kommt hinzu, dass kriminelle Banden laut Medienberichten Straßen blockiert, Hilfstransporte gekapert und Vorräte gestohlen haben. Helfer seien mitunter gezwungen, Hilfsgüter mit Hubschraubern zu transportieren.

Papst Franziskus 200.000 Euro für die Hilfe im Erdbebengebiet Haitis spendet. Wie der Vatikan am Dienstag mitteilte, wird das Geld an jene Diözesen verteilt, die am meisten von der jüngsten Katastrophe betroffen sind. Diese sollen es an die notleidende Bevölkerung weiterleiten. Die Spende sei ein "Zeichen der geistlichen Nähe", hieß es.

Bereits einen Tag nach dem verheerenden Beben hatte das Kirchenoberhaupt die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Haiti beizustehen. Nach Vatikanangaben spendet der Papst außerdem rund 69.000 US-Dollar für die Betroffenen des Wirbelsturms "Yaas" in Bangladesch sowie 100.000 Euro für Hilfsprojekte in Vietnam. Beide Länder hätten besonders unter der anhaltenden Corona-Krise zu leiden, so die Begründung. (tmg/KNA)