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Kritik an den Synodaltexten nicht einfach wegwischen

Die zuletzt lautgewordene Kritik an offiziellen Synodaltexten wurde betont gelassen aufgefasst oder scharf zurückgewiesen. Matthias Altmann wünscht sich jedoch, dass sich der Synodale Weg ehrlich damit auseinandersetzt – im Sinne seines Ziels.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 09.09.2021

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Aus dem "Reformer-Lager" fielen die Reaktionen zweigeteilt aus: Die einen, wie etwa ZdK-Präsident Thomas Sternberg, gaben sich nach der Kritik an offiziellen Papieren des Synodalen Wegs und der Veröffentlichung von Alternativtexten betont gelassen. Andere wiesen die Vorwürfe scharf zurück. Dabei sollte man die Kritik weder ignorieren noch einfach wegwischen. Und zwar nicht nur deshalb, weil es bei der Synodalität eben auch darum geht, aufeinander zu hören.

Da sind zunächst einmal die Vorwürfe einer Gruppe um den Bonner Stadtdechanten Wolfgang Picken, der Text des Macht-Forums enthalte Passagen mit theologisch kaum haltbaren Hypothesen. Das wiegt schwer. Und da ist die Einschätzung des Passauer Bischofs Stefan Oster und seinen drei Mitstreitern, im Forum zum Thema Sexualmoral gehe es de facto um eine andere Lehre als das bisher geteilte christliche Menschenbild. Nur mal angenommen, der Vatikan kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, wenn er auf die vom Synodalen Weg verabschiedeten Texte reagiert – war dann der ganze synodale Aufwand umsonst?

Viele Beobachter und Synodale reden oft von einem Entscheidungsdruck: Die Gläubigen, so heißt es, würden ungeduldig und verlangten baldige Beschlüsse. Doch vielen Katholiken ist es wohl lieber, der Synodale Weg beschließt theologisch "bombensichere" Texte, die eine fundierte Basis für weitreichende Reformen sind. Da dürfte es den meisten auch egal sein, wenn der Synodale Weg seinen Zeitplan ausdehnt.

Deshalb sollte sich die kommende Vollversammlung Ende September auch mit der Kritik und den alternativen Vorschlägen auseinandersetzen – und zwar möglichst ehrlich und unvoreingenommen. Wenn das zu einer Vergewisserung führt, kann der Synodale Weg insgesamt nur gewinnen. Aber klar ist auch: Am Ende werden Entscheidungen stehen, die es nicht allen rechtmachen werden. Die Kritiker müssen akzeptieren, dass ihre Meinung nicht die einzig gültige ist – und sie eventuell überstimmt werden.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.