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Standpunkt

Für weniger Verlautbarungen in der kirchlichen Medienarbeit

Ist katholische Medienarbeit unabhängig? Sie sollte es jedenfalls unbedingt sein, kommentiert Albrecht von Croy. Zudem müsste die Kirche kirchenunabhängige Medien nicht verdächtigen, sondern unterstützen. Manche täten aber anderes.

Von Albrecht von Croy |  Bonn - 10.09.2021

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Rituale sind fester Bestandteil unserer Kirche. Leider auch solche, die eher verzichtbar sind. Der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Gebhard Fürst, mahnt zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel mal wieder "zu zuverlässiger und unabhängiger Berichterstattung". Wäre es nicht mal an der Zeit, bei solchen ritualisierten Mahnungen auf die kircheneigene Medienarbeit und ihre vermeintliche Unabhängigkeit zu blicken?  

Wir stehen da, wo wir jetzt stehen, weil sich Kirche als Institution zu sehr institutionalisierte, weil sie innere Verfasstheit so wichtig nahm, wo sie äußere Wahrnehmung gebraucht hätte. Und eben auch, weil sie kircheneigene Presse und Publizistik gerne unter Kontrolle hat und nicht selten gängelt. Diese soll den Schein putzen und polieren, sie soll "verlautbaren". Es ist vielleicht einer der großen Irrtümer der geistlichen Verantwortlichen, sich vor dem Gegenwind einer immer säkulareren Gesellschaft und deren anwachsendem Rechtfertigungsdruck mehr und mehr in die Verlautbarung geflüchtet zu haben. Sie ist "ungefährlicher", sicherer, sie ist kontrollier- und zensierbar. Sie lässt sich einhegen, auf Bistumsgrenzen und ihre speziellen Themen und Termine beschränken. Verlautbarung gibt dem Bischof eine Bühne und dem "Apparat" seine Sicherheit. Verlautbarung ist Austausch mit eigenen Kräften, sie ist Selbstvergewisserung für die Unanfechtbarkeit eigenen Tuns.

Kirchen-unabhängige Medien sind eo ipso frei von solchem Denken und daraus resultierendem kirchen-immanentem Kontrollzwang, sie wollen und dürfen nicht Teil der Institution sein, wenn sie die Forderung von Bischof Fürst nach "unabhängiger Berichterstattung" erfüllen sollen.

Und so könnte, dem Ritual folgend, in der Botschaft zum nächsten Welttag der sozialen Kommunikationsmittel vielleicht mal eine wirkliche Erkenntnis stehen: "Die katholische Kirche in Deutschland fördert und unterstützt unabhängigen Journalismus, wir überwinden den alten, über Jahrhunderte immanenten Kontrollzwang. Wir haben erkannt, dass in einer stark säkularisierten Öffentlichkeit alles kirchliche zunächst Distanz erzeugt, wir brauchen einen neutralen 'Träger' unserer Botschaft, wir brauchen katholischen Journalismus, der wahrlich unabhängig ist und deswegen keine kirchlichen Etiketten trägt".

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.