Bischofs-Maler: Meisner wollte unbedingt sein rotes Ornat anziehen
Thomas Jessen porträtierte unter anderen auch Marx und Oster

Bischofs-Maler: Meisner wollte unbedingt sein rotes Ornat anziehen

Er porträtiert seit Jahren deutsche Bischöfe: Thomas Jessen erklärt, was einen Kardinal Meisner von einem Kardinal Marx unterscheidet – und warum er Bischof Oster in schwarzem Outfit mit den Händen in der Hosentasche malte.

Passau - 15.09.2021

Der Künstler Thomas Jessen, bekannt für seine Porträts von deutschen Bischöfen, hat aus dem Nähkästchen geplaudert. "Das sind immer sehr spannende, persönliche Begegnungen", sagte der Maler der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch). Er mache das nicht nach Fotos, sondern wolle dem Menschen wirklich gegenübertreten. Den Bischof kennenzulernen, sei unabdingbar für ein Porträt. Der Porträtierte trete ihm stets in einer gewissen Art gegenüber. "Erzbischof Meisner wollte zum Beispiel ohne Wenn und Aber sein rotes Ornat anziehen, da gab es keine Diskussionen. Kardinal Marx war es egal, der hat es mir überlassen."

Aktuell hat Jessen den Passauer Bischof Stefan Oster auf Leinwand verewigt. Er habe den Oberhirten in schwarzem Outfit mit Collar-Hemd, Bischofskreuz und den Händen in der Hosentasche festgehalten, berichtete Jessen. "Ich wurde zwischen viele Termine geschoben, er scheint ein sehr beschäftigter Mensch zu sein." Die Zeit sei knapp bemessen gewesen. "Wir waren bei ihm im Bischofshaus und hatten nicht viel Zeit. Also musste ich nehmen, was er mir anbot."

"Kunst ist letztendlich Sperrmüll"

Zu seinem eigenen Werk hat Jessen ein nüchternes Verhältnis. Er sei mit 63 Jahren inzwischen in einem Alter, "in dem ich weiß, dass die Sache mit der Nachwelt keine Rolle für mich spielt", sagte der Maler. Was bleibe und was nicht bleibe, sei ihm nicht so wichtig. "Kunst ist letztendlich Sperrmüll. Und zwar besonders schlimmer Sperrmüll." Denn man könne sie schwer wegwerfen, sei es aus ethischen oder sentimentalen Gründen.

Schon jetzt täten ihm seine Kinder leid, die nach seinem Tod sein Atelier mit Hunderten Bildern ausräumen müssten, so Jessen. Die Museen würden sich nicht darum reißen, "dazu bin ich nicht berühmt genug". Dennoch finde er es toll, dass er solche Aufgaben in seinem Leben habe meistern dürfen, und empfinde es als Gnade, davon leben zu können. "Aber auf der anderen Seite weiß ich, dass letztendlich nichts Bestand hat."

Jessen wurde 1958 im westfälischen Lübbecke geboren. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler von Alfonso Hüppi. Der Künstler hatte Ausstellungen im In- und Ausland, war für viele Fenster- und Kunstprojekte verantwortlich. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Eslohe/Sauerland. Im Passauer Exerzitien- und Bildungshaus Spectrum Kirche sind Werke von ihm unter dem Titel "Steamy Windows" vom 1. Oktober bis 27. November zu sehen. (tmg/KNA)