Karriere mit abruptem Ende: Stille um Mainzer Prälat Giebelmann
Der "Vollblutseelsorger" und frühere Generalvikar wird 75 Jahre alt

Karriere mit abruptem Ende: Stille um Mainzer Prälat Giebelmann

Zwischen den Amtszeiten von Lehmann und Kohlgraf war er Diözesanadministrator des Bistums Mainz. Doch 2017 trat Prälat Dietmar Giebelmann wegen Meinungsverschiedenheiten von allen Ämtern zurück. Heute wird der "Vollblutseelsorger" 75 Jahre alt.

Von Norbert Demuth (KNA) |  Mainz - 17.09.2021

Als Kardinal Karl Lehmann am 16. Mai 2016 aus Altersgründen als Bischof von Mainz zurücktrat, musste ein Interimsleiter für die Diözese gefunden werden. Das ging damals sehr schnell: Schon tags darauf wählte das Domkapitel den Prälaten Dietmar Giebelmann zum Diözesanadministrator des Bistums Mainz. Eigentlich muss ein Administrator binnen acht Tagen nach dem Rücktritt eines Bischofs bestimmt werden. Doch dass es Giebelmann wurde, der als rechte Hand Lehmanns galt, kam nicht überraschend.

"Ich versuche, die Diözese in ruhigen Bahnen zu lenken, bis ein neuer Bischof in Mainz sein Amt antritt", formulierte Giebelmann damals. Seine kirchliche Karriere war damit auf dem Höhepunkt, war er doch langjähriger Personaldezernent (1996 bis 2003) und seit 2003 schon 13 Jahre Generalvikar des Bistums.

Doch als der Pastoraltheologe Peter Kohlgraf am 27. August 2017 zum Bischof von Mainz geweiht wurde, folgte rund zehn Wochen später der Paukenschlag – und das abrupte Ende der Karriere Giebelmanns: Am 10. November 2017 erklärte das Bistum, dass Giebelmann – der seinerzeit noch Bischofsvikar war – wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung des Bistums" zum 1. Januar 2018 zurücktrete.

Weiterhin im Dienst des Bistums tätig

Seitdem ist es ruhig um Giebelmann geworden. Am 17. September wird er 75 Jahre alt. Feierlichkeiten seitens des Bistums sind nicht geplant. "Prälat Dietmar Giebelmann hat selbst darum gebeten, keine größeren Feierlichkeiten zu seinen beiden Jubiläen in diesem Jahr zu veranstalten", sagte Bistumssprecher Tobias Blum auf Anfrage. Sein 50. Priesterjubiläum am 10. Juli hatte Giebelmann im Rahmen einer Stiftsmesse im Mainzer Dom begangen.

Doch Giebelmann ist weiter im Dienst der Kirche tätig. Er ist nach wie vor "Rector Ecclesiae" – also direkt vom Bischof eingesetzter Priester – der Mutterhauskapelle der Marienschwestern im Seniorenzentrum Bruder-Konrad-Stift in Mainz. Darüber hinaus hält Giebelmann als emeritierter Domkapitular auch noch Gottesdienste im Mainzer Dom. Außerdem übernimmt er regelmäßig Gottesdienstvertretungen in verschiedenen Gemeinden des Bistums.

Peter Kohlgraf ist seit 2017 Bischof von Mainz. Der Pastoraltheologe geht davon aus, dass die Kirche in ihrer bisherigen Gestalt ausstirbt, sagt aber: "Ich bin fest von den Möglichkeiten Gottes überzeugt."

Worin Giebelmanns Auffassungen mit jenen der neuen Bistumsleitung konkret differierten, blieb bis heute unbekannt. Weder Kohlgraf noch Giebelmann äußerten sich konkret dazu. Und auch jetzt erklärte das Bistum, es werde "keine weitergehenden Hinweise zu dieser Personalangelegenheit geben".

Die "Allgemeine Zeitung" hatte seinerzeit gemutmaßt, neben Meinungsverschiedenheiten in Personalfragen gingen auch die Ansichten über die künftige Pfarreienstruktur zwischen den Generationen auseinander: Auf der einen Seite der damals 50-jährige Bischof Kohlgraf und der von Kohlgraf zum Generalvikar ernannte, seinerzeit ebenfalls 50-jährige Weihbischof Udo Markus Bentz – und auf der anderen Seite der damals 71-jährige Giebelmann.

Ungewöhnlich war in der Folge jedenfalls, dass Bischof Kohlgraf selbst das Dezernat "Pastorale Räte" übernahm. Die Pastoralen Räte gehörten zum Aufgabengebiet Giebelmanns als Bischofsvikar. Manche Räte waren gegen die neue Idee, ihre Gemeinden mit anderen zu größeren Einheiten zusammenzulegen.

"Vollblutseelsorger" mit "verschmitztem Humor"

Giebelmann, aus Bad Honnef stammend, wurde 1971 in Mainz von Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht. Große Worte wollte Giebelmann nie machen, er wollte immer "Pfarrer sein", sagte er, deshalb studierte er Theologie und wurde Priester. Kardinal Lehmann hatte Giebelmann zu dessen 70. Geburtstag als "Vollblutseelsorger" gewürdigt. Giebelmann, der über einen "verschmitzten Humor" verfüge, sei nie Bürokrat, sondern stets den Menschen zugewandt gewesen, so Lehmann. 2018 äußerte Giebelmann als Seelsorger im Ruhestand, die Kirche werde "mehr auf Laien zugehen" müssen.

Nach Kaplansjahren in Offenbach und Darmstadt war er ab 1976 Pfarrer etwa in Rödermark-Urberach und in Neu-Isenburg. Im Oktober 1996 folgte dann der Wechsel ins Bischöfliche Ordinariat, in dem Giebelmann rund 20 Jahre Dienst tat. Am Ende geriet Giebelmann dann noch einmal in die Schlagzeilen – wegen seines Umgangs mit angeblichen Vorgängen in einer Kita.

Es gab einen Verdacht auf sexuelle Übergriffe unter Kindern in der katholischen Kindertagesstätte "Maria Königin" in Mainz-Weisenau. Im Juni 2015 ließ das Bistum die Kita schließen. Giebelmann warf dem erzieherischen Personal der Kita schwerste Verletzungen der Aufsichtspflicht vor, kündigte ihm fristlos und stellte Strafanzeige. Doch der Verdacht ließ sich im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren nicht erhärten. Als Diözesanadministrator entschuldigte sich Giebelmann am 27. Mai 2016 schließlich für sein Vorgehen, und die Kita wurde bald danach wieder geöffnet.

Von Norbert Demuth (KNA)