Der Synodale Weg nähert sich der Frauenfrage auf Umwegen
Frauenweihe wird nicht zur Abstimmung gestellt

Der Synodale Weg nähert sich der Frauenfrage auf Umwegen

Die Rolle der Frau wird bei der kommenden Vollversammlung des Synodalen Wegs wieder Thema sein. Aber weder ein Skandal noch der große Durchbruch sind wohl zu erwarten. Heiße Eisen werden nämlich noch aufgespart.

Von Karin Wollschläger (KNA) |  Bonn - 19.09.2021

Die Frage nach der Rolle der Frau in der katholischen Kirche ist eines der zentralen Themen beim Reformdialog des Synodalen Wegs. Als eine "Lebensfrage" der Kirche gar hatte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode eine verstärkte Frauenbeteiligung bezeichnet. Zusammen mit der Münsteraner Theologin Dorothea Sattler leitet er die Arbeitsgruppe "Frauen", die für die kommende Synodalversammlung Anfang Oktober nun drei "Handlungstexte" zur Debatte und Abstimmung vorgelegt hat.

Um es direkt vorwegzunehmen: Die heikelste und die vielleicht am erbittertsten diskutierte Frage – nämlich die nach einer Zulassung von Frauen zu Weiheämtern – wird nicht zur Abstimmung gestellt. Es ließe sich hier für ein entsprechendes Votum wohl auch keine Mehrheit mit den Bischöfen erzielen. Zudem kann eine Änderung nur Rom in Kraft setzen. Das heißt freilich nicht, dass das Thema vom Tisch ist oder man sich darum drückt. Es gibt noch eine andere Arbeitsgruppe, die hier Mitwirkungsrechte an einer möglichen Beschlussvorlage reklamiert: die Arbeitsgruppe zum Thema "Macht".

In einem dort erarbeiteten Grundtext gibt es einen expliziten Passus mit der etwas schwerfällig klingenden Formulierung "Zugang von Frauen zum Ordo". Sie weist darauf hin, dass die Frage aufgrund der Exklusivität des Zugangs auch eine Frage von Macht und Gewaltenteilung sei. Die Arbeitsgruppe plädiert dafür, mit dem Frauen-Forum zusammen eine begründete Abstimmungsvorlage vorzubereiten, die darauf zielt, Frauen zum Diakonat zuzulassen. Zielmarke und Richtung sind also schon gesetzt.

Zielmarke und Richtung gesetzt

Blickt man nun auf die drei vorgelegten "Handlungstexte" der Frauen-Arbeitsgruppe, so ist der Fokus eindeutig darauf gerichtet, das im bestehenden kirchenrechtlichen Rahmen schon Mögliche auszuschöpfen. Das heißt konkret: Über die Bande der Leitungsmöglichkeiten von Laien allgemein spielen und dafür sorgen, dass Frauen dort angemessen repräsentiert sind, etwa in den neuen Modellen von Leitungsteams in Pfarreien. Hinzu kommt der Wunsch nach einem Kultur- und Bewusstseinswandel, der auf ein "zeitgemäßes Führungsverständnis und Geschlechtersensibilität" abzielt.

Die Förderung von Frauen in der wissenschaftlichen Theologie soll vorangebracht werden.

Überdies soll die Förderung von Frauen in der wissenschaftlichen Theologie vorangebracht werden. Trotz aller Bemühungen gebe es nach wie vor eine deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in diesem Bereich. Dass ausreichend unterschiedliche Frauen in den verschiedenen theologischen Disziplinen und mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen lehren und forschen, sei aber Grundvoraussetzung für die notwendige Weiterentwicklung der Theologie und Erneuerung der Kirche. Außerdem sollen die Bistümer Frauenforschung und feministische Theologie ausdrücklich in die Studien- und Fortbildungsprogramme des pastoralen Personals – und damit auch der Priester – aufnehmen.

Schließlich fordert die Arbeitsgruppe noch, den internationalen kirchlichen Austausch über die Teilhabe von Frauen an kirchlichen Diensten und Ämtern sowie Genderfragen stärker zu befördern. Ganz konkret sollen die deutschen Bischöfe bei der Weltbischofssynode, zu der Papst Franziskus für Oktober 2023 eingeladen hat, sich dafür einsetzen. Der behutsam formulierte Text ist sichtlich darum bemüht, eine Art Versöhnung eher traditionalistischer Kreise mit dem Gender-Begriff zu befördern und deutlich zu machen, dass es nicht um Ideologie geht, sondern um eine kritische Reflexion "im Dienst der Menschenwürde und der Geschlechtergerechtigkeit".

Alles in allem dürften bei den Abstimmungen der Synodalversammlung über diese Texte vermutlich die notwendigen Zweidrittel-Mehrheiten zustande kommen. Der Arbeitsgruppe, die bislang bereits intern sehr um gemeinsame Positionen ringen musste, dürfte das Rückenwind geben für den noch offenen Punkt: die Positionierung zur Frauenweihe.

Von Karin Wollschläger (KNA)