Fröhliche Türken und Engel
Regensburg ist Gastgeber des Deutschen Katholikentags

Fröhliche Türken und Engel

Stadtporträt - Regensburg liegt gar schön", wusste schon der Dichterfürst Goethe. "Die Gegend musste eine Stadt herlocken." Am nördlichsten Punkt der Donau siedelten die Kelten bereits in vorchristlicher Zeit, ein Römerlager namens Castra Regina gab der Stadt ihren Namen: Burg an der Mündung des Flusses Regen.

Regensburg - 07.05.2014

Die Besucher des am 28. Mai beginnenden Katholikentags 2014 - man rechnet mit rund 30.000 Dauerteilnehmern und 80.000 Tagesgästen - erwartet ein Gastgeber der Superlative. Das Motto "Mit Christus Brücken bauen" greift ein städtisches Wahrzeichen auf, die im 12. Jahrhundert errichtete Steinerne Brücke. Einst als Weltwunder bestaunt, ist das Meisterstück mittelalterlicher Ingenieurskunst heute in beklagenswertem Zustand. Abschnitt für Abschnitt müssen die 16 romanischen Bögen noch bis 2017 saniert werden.

Weil das Bauwerk auch danach nicht mehr von Bussen und Autos befahren werden darf, plagt die Stadt ein Streit um Alternativen für den Verkehr. Dresden lässt grüßen. Auch Regensburg hat einen Titel als UNESCO-Welterbe zu verlieren.

Vom Krieg fast unversehrt

Den Zweiten Weltkrieg hat Deutschlands einzige gotische Großstadt mit ihren 1.400 Einzeldenkmälern nahezu unversehrt überstanden. Enge Gässchen, eine der höchsten Kneipendichten im Land, viele Einzelhändler und die Wohntürme von Patrizierfamilien prägen das Bild einer Stadt, die durch europaweiten Handel reich wurde. Heute sorgen Automobilhersteller, Mikroelektronik und anderes verarbeitendes Gewerbe für eine Arbeitslosenquote von kaum drei Prozent.

Deutschlands ältester Knabenchor - die "Domspatzen" - hat sein Domizil in der Hauptstadt der Oberpfalz. Und der älteste Schnellimbiss. Die "Wurstkuchl" am Donauufer serviert Regensburger Bratwürste nachweislich seit 1378. Kaum so dick wie ein kleiner Finger, gegrillt über offenem Holzkohlenfeuer, werden sie von Gästen wie von Einheimischen gern verzehrt oder in Dosen verpackt in alle Welt exportiert. Wer es mit dem Genuss übertreibt, für den bietet sich zur Linderung der nach geheimer Kräuterrezeptur gebrannte Regensburger Karmelitengeist an.

Regensburg zählt zu den wenigen Bistumsstädten in Deutschland, in denen der Bischof auch Eigentümer einer Brauerei ist. Der Erlös aus dem Bierverkauf fließt in die Priesterausbildung. Mitten in der Stadt residiert Gloria von Thurn und Taxis im mondänen Schloss Sankt Emmeram, das über mehr Zimmer verfügt als der Buckingham-Palast. Man kann in Regensburg durch eine "Fröhliche Türken-Straße" flanieren und sich danach im Dom vom Charme eines seit über 700 Jahren unentwegt lachenden Engels überzeugen.

Lange Bank und grüner Tisch

Für mehrere, durchweg wenig schmeichelhafte Redensarten beansprucht Regensburg die Urheberschaft. Etwas erst "auf die lange Bank schieben" und dann "am grünen Tisch entscheiden" wurde im Zusammenhang mit dem Immerwährenden Reichstag sprichwörtlich. Von 1663 bis 1803 tagte in Regensburg Deutschlands erstes Parlament. Auch als einmal der Kaiser von einem Regensburger Erker aus "Geld aus dem Fenster warf", ging dies in den Sprachgebrauch ein.

Regensburg ist Papststadt, nicht erst durch das vor wenigen Jahren errichtete Papst-Benedikt-Institut, in dem alle theologischen Werke Joseph Ratzingers herausgegeben werden. Als der Dogmatik-Professor 1969 an die gerade errichtete Regensburger Universität kam, gab es dort schon längst einen altehrwürdigen Petersdom, mit zwei 105 Meter hohen Türmen und rund 100 verschiedenen Darstellungen des Apostelfürsten. Das Attribut des Kirchenpatrons findet sich in Form zweier gekreuzter Schlüssel auch im Stadtwappen.

Bei den Kommunalwahlen im März hat die SPD erstmals seit 18 Jahren wieder das Rathaus erobert. Doch die komplizierten Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat werden dem künftigen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs das Regieren nicht leicht machen. Unabhängig vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen könnte sich das Stadtoberhaupt aber vom Katholikentagsmotto inspirieren lassen: Neue Brücken werden gebraucht, nicht nur über Parteigrenzen hinweg, sondern auch über Donau und Regen.

Von Christoph Renzikowski (KNA)