Benedikt XVI. am Flughafen München
Privatsekretär berichtet über Reise des emeritierten Papstes

Gänswein: Benedikt XVI. hat Reise zu seinem Bruder schnell entschieden

Mit seinem Besuch bei seinem Bruder in Regensburg hatte der emeritierte Papst Benedikt XVI. vergangenes Jahr die Öffentlichkeit überrascht. Nun offenbart sein Privatsekretär Details der Reisevorbereitungen – und die Gedanken Benedikts.

Rom - 19.09.2021

Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär des früheren Papstes, hat über Einzelheiten vom Besuch von Benedikt XVI. bei seinem Bruder Georg im Juni 2020 berichtet. Die Entscheidung, nach Regensburg fahren zu wollen, habe Benedikt XVI. damals sehr schnell gefällt, sagte Gänswein am Samstag bei einer Konferenz des Schülerkreises Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. Papst Franziskus habe den Entschluss seines Vorgängers in jeder Phase unterstützt.

Am 18. Juni 2020 war Benedikt XVI. überraschend nach Regensburg gereist und hatte dort einige Tage bei seinem sterbenden Bruder verbracht. In den Wochen danach, so erzählte Gänswein, habe Benedikt XVI. dann auch mit seinem eigenen baldigen Ableben gerechnet. "Gott denkt aber eben oft anders", fügte Gänswein hinzu.

Schwierig sei die Reise auch deswegen gewesen, weil sich kurz vorher eine Gesichtsrose (Herpes Zoster) bei Benedikt XVI. abgezeichnet hatte. Ein Arzt habe ihm sogar von dem Unternehmen abgeraten. Die Viruserkrankung verursachte die roten Flecken im Gesicht des emeritierten Papstes, die auf einigen Fotos zu sehen waren. Die äußerst schmerzhafte Phase der Krankheit sei aber erst nach der Rückkehr in den Vatikan ausgebrochen, so Gänswein.

Bei täglichen Telefonaten gemerkt

Schon im Mai habe Benedikt XVI. bei seinen täglichen Telefonaten mit dem Bruder Georg gemerkt, wie dieser insgesamt schwächer wurde. "Eines Tages", berichtete Gänswein, "sagte Benedikt zu mir: Mein Bruder wollte im Juni nach Rom kommen, er kommt nicht. Aber ich gehe nach Regensburg, schnellstmöglich."

Darauf, so der Erzbischof weiter, habe er zunächst den Papst informiert und nach dessen sofortiger Zustimmung begonnen, die Reise zu organisieren. Daraufhin habe auch Benedikt selbst mit Franziskus telefoniert. Auf Gänsweins Hinweis, man könne "übermorgen fliegen", habe Benedikt XVI. geantwortet: "Nicht übermorgen, morgen." Da habe er "erst einmal tief durchatmen und ein paar weitere Telefonate machen" müssen, berichtete Gänswein weiter. Letztlich hätten vatikanische und bayerische Seiten das aber gut organisiert.

In den Tagen in Regensburg, so Gänswein abschließend, sei bei beiden Ratzinger-Brüdern der Dank sichtbar gewesen, sich noch einmal sehen zu können. Die Schwere des Abschieds sei ihnen aber leichter gefallen im Glauben daran, "dass das eigentliche Leben erst noch beginnt". Das habe auf alle Anwesenden ausgestrahlt. Der Abschied am letzten Tag sei daher ein "Auf Wiedersehen in einer anderen Welt" gewesen. Georg Ratzinger starb am 1. Juli, acht Tage nach der Rückreise seines Bruders nach Rom.

Gänswein sagte dem Schweizer Pressedienst kath.ch weiter, Benedikt XVI. sei "stabil in der Schwäche". "Er ist physisch mit 94 Jahren sehr unstabil, aber er hat einen klaren Kopf. Und: Er hat den Humor nicht verloren." Der emeritierte Papst, der seit seinem Amtsverzicht im Kloster Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten lebt, könne weiterhin alles machen, was er wolle, erklärte sein Sekretär. "Natürlich braucht er bei dem einen oder anderen Hilfe. Aber das wichtigste ist: Er nimmt am Leben teil." (cph/KNA)

19.9., 16 Uhr: Ergänzt um den letzten Absatz