Pfarrergrab soll für Vaterschaftstest geöffnet werden
Fall Jungnitsch zählt zu schwersten Missbrauchsfällen im Bistum Dresden

Pfarrergrab soll für Vaterschaftstest geöffnet werden

Der Missbrauchsfall gilt im Bistum Dresden-Meißen als einer der schwerwiegendsten: Nun soll die Leiche des vor 50 Jahren verstorbenen Priesters Herbert Jungnitsch offenbar exhumiert werden – für einen Vaterschaftstest.

Dresden - 20.09.2021

Die Leiche des vor 50 Jahren verstorbenen katholischen Priesters Herbert Jungnitsch soll offenbar für einen Vaterschaftstest exhumiert werden. Das berichtete die "Sächsische Zeitung" (Montag) unter Berufung auf Bistumskreise. Das Bistum Dresden-Meißen erklärte auf Anfrage, bei ihnen habe sich eine Person gemeldet, die um Hilfe bei einem Verfahren zur Feststellung einer möglichen Vaterschaft von Jungnitsch gebeten habe. Das Bistum habe dagegen keinerlei Einwände.

Zudem sei der anfragenden Person seitens des Bistums ein Rechtsanwalt genannt worden, der in einem solchen Verfahren helfen könne, hieß es weiter. Ob dieses Verfahren angestrengt wurde und welche weiteren Abläufe dazu vorgesehen seien, sei dem Bistum, da es nicht verfahrensbeteiligt sei, nicht bekannt. Laut Zeitung soll ein Exhumierungsantrag bei Gericht gestellt worden sein.

Jungnitsch (1898-1971) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die katholische Pfarrei in Heidenau aufgebaut und bis zu seinem Tod maßgeblich geprägt. Aus dieser Zeit sind nach Angaben des Bistums glaubhaft mehrere Fälle sexualisierter und körperlicher Gewalt an mindestens vier Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren bekannt. Der Fall gilt im Bistum Dresden-Meißen als einer der schwerwiegendsten. Vergangenen Donnerstag hatte zur öffentlichen Aufarbeitung der Missbrauchstaten eine Gemeindeversammlung in Anwesenheit der Bistumsleitung und Betroffenen stattgefunden. (KNA)