Schachfigur
Standpunkt

Priester-Auszeiten lösen keine Sinnkrise

Manchmal ist ein Sabbatjahr der letzte Schritt vor einem Ausscheiden aus dem priesterlichen Dienst, kommentiert Benjamin Leven. Doch nicht überall gebe es verbindliche Ordnungen für diese priesterlichen Auszeiten. Das müsse sich ändern.

Von Benjamin Leven |  Bonn - 21.09.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Liest man die Personalnachrichten deutscher Bistümer, stößt man immer wieder auf die Begriffe "Sabbatjahr" oder "Auszeit". Geistliche, die ihren Dienst in einer Pfarrei beenden, würden für einige Monate freigestellt, bevor sie ihre nächste Stelle antreten, heißt es dann. Bisweilen ist von Pausen zu lesen, die auf unbestimmte Zeit gewährt werden. Auch Bischöfe haben sich zuletzt aus verschiedenen Gründen solche Auszeiten genommen.

Vermutlich handelt es sich um ein Krisensymptom. Das Rollenbild ist diffus geworden, das gesellschaftliche Ansehen ist dahin. Der Zölibat wird allseits infrage gestellt, Klerikalismus gilt als Ursache allen Übels. Die Zahl der Priester sinkt immer weiter, während die alltäglichen Anforderungen steigen. Manchmal ist die Auszeit der letzte Schritt vor einem Ausscheiden aus dem priesterlichen Dienst. Wem es schwerfällt, noch einen Sinn in dem zu sehen, was er tut, der verliert die Motivation und die Lebensenergie.

In der Regel erhalten die freigestellten Geistlichen weiter ihre gewöhnlichen Bezüge. Nicht-Priester müssen hingegen gemäß den kirchlichen Arbeits- und Vergütungsordnungen über mehrere Jahre auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, um so Geld für eine zukünftige Auszeit anzusparen. Vielleicht würden so manchem Priester in der Krise ein paar Zeichen der Aufmerksamkeit und der Wertschätzung durch den Bischof und seine Mitarbeiter mehr bedeuten als eine achselzuckend gewährte Freistellung vom Dienst. Einem "Problem-Priester" einfach weiter Geld zu überweisen, kann auch ein Zeichen der Gleichgültigkeit sein.

Einige Bistümer haben inzwischen Ordnungen für Auszeiten ihrer Priester erlassen, in denen etwa vorgeschrieben wird, dass die Zeit zur geistlichen und geistigen Weiterbildung genutzt werden soll. Dies sollte überall zum Standard werden. Denn die Pause an sich löst keine Sinnkrise. Insbesondere, wenn nicht klar ist, wozu die Unterbrechung eigentlich dienen soll.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der "Herder Korrespondenz".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.