Bischof Georg Bätzing bei einem Pressestatement
Initiativen und Verbände fordern klares Bekenntnis zum Synodalen Weg

Trotz Kluft zwischen den Bischöfen: Noch besteht Hoffnung auf Reformen

Kirchliche Frauenverbände und Reforminitiativen machen zu Beginn der DBK-Herbstvollversammlung Druck auf die deutschen Bischöfe: Sie sollen sich klar zum Synodalen Weg bekennen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz lässt keinen Zweifel daran, dass er das tut.

Von Matthias Altmann |  Fulda - 20.09.2021

Allzu viel los ist nicht an diesem Montag in Fulda. Auch nicht am weitläufigen Platz vor dem Dom. Dort hat sich die kirchenkritische Giordano-Bruno-Stiftung mit ihrem von Jacques Tilly kreierten Karnevalswagen aus dem Jahr 2019 positioniert, der einen schlafenden Bischof in einer Hängematte mit der Aufschrift "Die schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle" zeigt. Pro-kirchliche "Protestgruppen" wie etwa die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die sonst immer mit Aktionen zu Beginn einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz aufwartet, haben sich diesmal jedoch nicht eingefunden.

"Die Zeichen, die wir damit immer setzen wollten, wurden von den Bischöfen kaum aufgenommen", sagt die stellvertretende Vorsitzende der kfd, Agnes Wuckelt. "Diesmal stören wir nicht." Doch trotzdem setzt die kfd ein Zeichen – wenn auch anders: Gemeinsam mit "Wir sind Kirche" und "Maria 2.0" laden sie, bevor der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sein Eröffnungsstatement gibt, zu einer Art "Gegenveranstaltung" ein – in einem Restaurant in Sichtweite des Versammlungsortes der Bischöfe. Dabei verleihen die Reformgruppen ihren Forderungen erneut Ausdruck: weniger Machtzentrierung beim Klerus, Akzeptanz für Lebensformen, die nicht dem Ideal der bisherigen kirchlichen Sexualmoral entsprechen – und natürlich der Zugang von Frauen zu allen Ämtern.

Glaubwürdigkeit der Kirche "erneut massiv zerstört"

Die Kirche, so Christian Weisner vom "Wir sind Kirche"-Bundesteam, befinde sich an einem Scheideweg: "Wir erleben zerfallende Machtstrukturen." Die geltenden Kirchenstrukturen hätten in eine Sackgasse geführt. "Das hat auch die Missbrauchskrise noch einmal in schockierender und tragischer Weise deutlich gemacht." Nicht nachvollziehbare Entscheidungen wie die Nichtannahme des Rücktritts des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße durch Papst Franziskus täten ihr Übriges dazu. Weisner bezeichnet es als Ohrfeige für Betroffene wie auch alle Gläubige, dass Heße trotz erwiesener Pflichtverletzungen während seiner Zeit als Kölner Personalchef nach wie vor im Amt bleibt. "Dadurch wird die Glaubwürdigkeit der Kirche erneut massiv zerstört."

Genau um diese Glaubwürdigkeitskrise anzugehen, war der Synodale Weg vor inzwischen eineinhalb Jahren gestartet worden. An seinem Ende sollen – so die Idee – verbindliche Beschlüsse sowie theologisch fundierte Voten stehen, die zu einem Ende des jahrelangen Reformstaus in der Kirche führen sollen. Ende des Monats findet die nächste Synodalversammlung statt, bei der die bisher von den Foren verfassten Texte im Plenum besprochen werden sollen. Doch zuletzt verstärkte sich das Gefühl, dass der Reformprozess kurz vor der entscheidenden Phase vom Kurs abkommt. Einige Synodale, darunter auch Bischöfe, zeigten sich unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Vor allem die Forentexte gehen ihnen zu weit – deshalb veröffentlichten sie Alternativvorschläge.

Pressegespräch mit Vertretern von kfd, Maria 2.0 und Wir sind Kirche in Fulda

Noch bevor Bischof Bätzing vor die Kameras trat, haben die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), "Maria 2.0" und "Wir sind Kirche" zu einer "Gegenveranstaltung" geladen.

Doch viele Bischöfe zeigen sich offen für weitreichendere Veränderungen – und sollen das laut den Reformgruppen auch deutlich kommunizieren: "Wir erwarten, dass sich die Bischöfe in ihrer Vollversammlung deutlich zum Synodalen Weg bekennen", betont Agnes Wuckelt. Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben, sei keine Option mehr. Denn es mache sich Ungeduld breit. "Viele engagierte Frauen kehren der Kirche den Rücken", so die stellvertretende kfd-Vorsitzende. "Wir erwarten gravierende Veränderungen, keine Schönheitsreparaturen", fügt Andrea Keber von "Maria 2.0" hinzu.

Dass Schönheitsreparaturen angesichts der Krise, in der die Kirche steckt, nicht mehr reichen, hatte der DBK-Vorsitzende, Limburgs Bischof Georg Bätzing, bereits im Sommer gesagt, als der Münchner Kardinal Reinhard Marx dem Papst völlig überraschend seinen Rücktritt anbot. Bei der Eröffnung der Vollversammlung in Fulda betonte Bätzing, dass der Wunsch nach konkreten Ergebnissen auf dem Synodalen Weg wachse – und es schnell zu sichtbaren Veränderungen kommen müsse. Nicht zuletzt Rücktrittsangebote wie die vom Hamburger Erzbischof Stefan Heße oder Kardinal Marx müssen laut Bätzing der Anlass für Veränderungen sein. Ein einfaches "Weiter so" sei nicht mehr möglich: Es brauche mehr Laien-Beteiligung in kirchlichen Entscheidungsprozessen – ohne Wenn und Aber.

Posititionen der Bischöfe liegen bei vielen Streitthemen auseinander

Bätzing machte bei seinem Statement deutlich, dass er weiter auf den Synodalen Weg setzt. Er soll zu klaren Zeichen der Veränderung führen, etwa wenn es um die Rolle der Frau in der Kirche sowie die Sexualmoral geht. Das hilfreiche Wissen der katholischen Sexuallehre solle zu einem Angebot für alle Menschen werden – auch für gleichgeschlechtliche Paare oder Nichtverheiratete. Die katholische Sexualmoral solle nicht als Verbotsmoral bei den Menschen ankommen. Ob das auch seine Amtsbrüder so sehen, ist allerdings fraglich, räumt Bätzing ein. Denn bei vielen Streitthemen lägen die Positionen der Bischöfe weit auseinander.

Besteht also Hoffnung, dass sich etwas ändert? Solange der Synodale Weg noch läuft, wollen die Reformgruppen, die sich in Fulda getroffen haben, sie nicht aufgeben. Doch was ist, wenn der Weg scheitert? "Dann", so sagt Agnes Wuckelt, "ist die katholische Kirche nicht mehr der Ort, an dem ich meine Spiritualität ausleben möchte." Und diese Konsequenz, so die einhellige Meinung der Vertreterinnen und Vertreter von kfd, "Maria 2.0" und "Wir sind Kirche", werden dann noch mehr Gläubige ziehen.

Von Matthias Altmann