Hanke: Kirche braucht mehr Prozesse gemeinsamen Suchens
Eichstätter Bischof sieht "Schnittmengen" zwischen Kirche und Demokratie

Hanke: Kirche braucht mehr Prozesse gemeinsamen Suchens

Kirche und Demokratie gelten oft als Widerspruch, doch gibt es auch Schnittmengen? Dieser Frage widmete sich eine Tagung in Eichstätt. Der dortige Bischof Gregor Maria Hanke sieht mehr Beteiligung in der Kirchengeschichte "als es uns heute scheint".

Eichstätt - 26.09.2021

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sieht "Schnittmengen" zwischen Kirche und Demokratie. So sei die Tradition der Kirche mit Blick auf Partizipationsmöglichkeiten "reichhaltiger als es uns heute scheint", sagte Hanke am Samstag bei einem Symposium zum Thema "Braucht Demokratie Spiritualität?" in Eichstätt. Es brauche "Prozesse des gemeinsamen Suchens und Nachdenkens". Dies erfordere einen Mentalitätswandel bei den Verantwortungsträgern; da schließe er sich selbst nicht aus.

"Wir müssen lernen, mehr aufeinander zu hören und Wirklichkeit differenziert zu interpretieren, um nicht in einen politischen Schlagabtausch zu verfallen", fügte der Bischof hinzu. "Wir müssen neues Miteinander lernen." Dies sei wichtiger als ständig Papiere zu produzieren.

Der Eichstätter Theologe Martin Kirschner sprach sich für "wechselseitige Lernprozesse" aus. Kirche und Demokratie seien beide "in der Krise". Sie bräuchten einander, um sich weiterzuentwickeln. Ein Schlüssel dafür seien mehr Partizipation, Transparenz, Öffentlichkeit und Kontrolle von Macht.

Mehr Beteiligung an bestehenden Entscheidungsprozessen der Kirche

Der Salzburger Theologe Hans-Joachim Sander wies darauf hin, dass seit der Barockzeit die Debatte geführt werde, ob sich Kirche und Demokratie vertrügen. Lange sei die Antwort negativ ausgefallen. Eine Lösung könnte nach seiner Ansicht darin liegen, die in der Kirche bereits vorhandenen "demokratischen Versatzstücke" weiterzuentwickeln, nämlich Papstwahl und Konzil. Veränderbar seien etwa die Regeln, wer daran teilnehmen könne. So sei es aus theologischer Sicht kein Problem, Frauen zu Kardinälen zu ernennen.

Sander sagte, die Kirche könne etwas, das viele andere Vergemeinschaftungen nicht könnten, nämlich Gegensätze auf der Ebene einer höheren Komplexität aufzulösen. Daran gelte es zu arbeiten. Kirschner fügte hinzu, es gebe in der Kirche viel zu selten ernsthafte existenzielle Auseinandersetzungen. "Dahin müssen wir kommen, auch im Synodalen Weg."

Das Symposium wurde ausgerichtet vom Institut Simone Weil in Kooperation mit dem Bistum Eichstätt und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Das nach der 1943 verstorbenen französisch-jüdischen Philosophin, Kommunistin und christlichen Mystikerin benannte Institut versteht sich als "Lehrhaus für Psychologie und Spiritualität". (KNA)