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Standpunkt

Um Mehrheiten ringen – nicht nur in der Politik

Nach der Bundestagswahl beginnen nun die Koalitionsverhandlungen. Das nötige Ringen um Mehrheiten ist ein gutes Vorbild für die kommende Synodalversammlung in Frankfurt, meint Stefan Orth. Denn die Kirche brauche dringend neue Entscheidungswege.

Von Stefan Orth |  Bonn - 27.09.2021

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Die Wahl ist vorbei und jetzt stehen die Sondierungsgespräche für die Koalitionsverhandlungen an. Da ist es ein schöner Zufall, dass in dieser Woche auch die nächste Etappe des Synodalen Wegs ansteht, mit lebhaften Diskussionen angesichts unterschiedlicher Interessen zwischen Mehrheitsfraktion und einer nicht weniger lautstarken Minderheit.

Nun ist die katholische Kirche kein demokratisch verfasstes Gemeinwesen, wie Papst Franziskus jüngst mit Blick auf die bald startenden Prozesse in allen Diözesen weltweit zum Thema Synodalität eingeschärft hat. Aber nicht nur der Missbrauchsskandal und manches Finanzgebaren von Klerikern haben offengelegt, dass die Entscheidungswege in der katholischen Kirche dringend neu gebahnt werden müssen.

Gerade angesichts von Wahlkampf, Urnengang und der Suche nach Koalitionen als wesentlicher Elemente eines demokratischen Rechtsstaats stoßen sich zunehmend mehr Gläubige an den Strukturen der katholischen Kirche.

Darüber muss geredet werden und insbesondere die Bischöfe sind gut beraten, wenn sie die Frontlinien nicht zwischen dem Synodalen Weg und dem Vatikan und allen Bewahrern der bisherigen Ordnung sehen. Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke hat in einer ätzenden Polemik gegen den Synodalen Weg allen beteiligten Laien vorgeworfen, dass ihnen dort nur etwas vorgegaukelt werde – obwohl schließlich alles beim Alten bleiben werde. Von hier her kommt der eigentliche Druck.

Der Synodale Weg wird am Ende daran gemessen werden, ob es angesichts der Missstände zu hinreichend Mitsprache, Partizipation und Mitbestimmung kommt. Darauf haben sich letztlich alle Bischöfe auf der Vollversammlung in Lingen im Frühjahr 2019 einstimmig eingelassen.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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