Forderung nach Weiheamt für Frauen bei Preisverleihung

Tänzerin erhält katholischen Kunst- und Kulturpreis

Aktualisiert am 29.09.2021  –  Lesedauer: 

Solingen ‐ Für ihre Arbeit und ihren Einsatz hat die brasilianische Tänzerin Lia Rodrigues den Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken erhalten. Die Preisverleihung enthielt einige politische Statements – auch in Richtung der katholischen Kirche.

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Die brasilianische Tänzerin Lia Rodrigues hat den mit 25.000 Euro dotierten Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken erhalten. Während der Preisverleihung am Dienstagabend in Solingen verwies die 65-Jährige auf politische Verwerfungen und die Corona-Krise in ihrer Heimat. "Die Pandemie enthüllt die prekären Umstände, in denen die Mehrheit der Brasilianer lebt", sagte sie in ihrer Dankesrede auf Englisch. Präsident Jair Bolsonaro missachte demokratische Prinzipien, verbreite "Fake News" und benutze eine hasserfüllte Sprache. "Er verachtet alles, was menschlich ist in einem Land, das voller Menschlichkeit ist."

In Rio de Janeiro gründete Rodrigues zunächst eine Tanzkompanie für ausgebildete Tänzerinnen und Tänzer und öffnete diese 2004 für begabte Menschen aus den Favelas. Sie initiierte mit dem "Centro de Artes de Mare" und der "Free School of Dance" soziale Projekte, in der alle Tänzer gemeinsam trainieren

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, würdigte in seiner Laudatio die künstlerische Arbeit sowie den sozial-politischen Einsatz der Preisträgerin. "Lia Rodrigues bewegt sich in einer Tradition, die auch eine Tradition des Christentums ist: gewaltfrei Widerstand zu leisten gegen Unterdrückung, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung", sagte er.

Kritische Worte an DBK-Vorsitzenden Bätzing

Limbourg sprach von Einschränkungen für Kultur und Medien in Brasilien und hob Rodrigues' Protest gegen die Politik Bolsonaros hervor, der sich in ihrer Arbeit und ihren Werken ausdrückt. Die Tänzerin sei "Vorbild und Motivatorin" für engagierte junge Künstlerinnen und Künstler in Brasilien.

Der Intendant richtete kritische Worte an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, der den Preis zusammen mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, überreichte. So fragte er, ob es nicht an der Zeit sei, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen. "Ich bin fest davon überzeugt: Eine Organisation, die nicht divers ist, wird heutzutage scheitern." Die Kirche gerate weltweit unter Druck – auch im globalen Süden. Diese Entwicklung sei bedrückend, "denn die Botschaft von Jesus Christus ist aktueller denn je in einer Welt voller sozialer Ungerechtigkeit, Armut, Gewalt und Vereinsamung".

Höchste Kulturauszeichnung der katholischen Kirche

Die Auszeichnung der DBK und des ZdK wurde erstmals in der Kategorie Tanz vergeben. "Lia Rodrigues und ihre Kompanie stellen die vom globalen Norden diktierten postkolonialistischen, soziokulturellen, ökopolitischen Denkschemata auf den Kopf", sagte Bätzing in seinem Grußwort. Es folgte eine getanzte Laudatio, die Ruth Amarante vom Tanztheater Pina Bausch Wuppertal darbot. Sternberg würdigte Rodrigues schließlich in seiner Ansprache als "eine der mutigsten, energetischsten und begabtesten Frauen des zeitgenössischen Tanztheaters".

Der Kunst- und Kulturpreis ist die höchste Auszeichnung der katholischen Kirche auf dem Kultursektor. Der Preis wird seit 1990 alle zwei bis vier Jahre vergeben. Die Verleihung fand im Theater und Konzerthaus Solingen statt. (KNA)

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu dem Preis finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).