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Standpunkt

An Analysen fehlt es beim Synodalen Weg nicht – aber an der Umsetzung

Wenn der Synodale Weg folgenlos endet und Bremser blockieren, werden sich auch die Wohlmeinendsten abwenden, ist Christof Haverkamp überzeugt. Rhetorische Floskeln habe es in der Vergangenheit mehr als genug gegeben.

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 30.09.2021

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Was wird herauskommen bei der Zweiten Synodalversammlung, die heute beginnt? Wie erfolgreich wird das Treffen in Frankfurt am Main sein? Werden Erwartungen nach Reformen, die katholische Christen nicht allein in Deutschland haben, wenigstens zum Teil erfüllt – oder werden sie, wie so oft, nochmals enttäuscht? Noch ist das offen. Mit Spannung blicken daher viele Beobachter auf die Synodalversammlung.

Würde das Treffen allein in rhetorischen Floskeln enden, wäre das nur eine gewaltige Verschwendung von Kirchensteuergeldern. Von Absichtsbekundungen zu Veränderung und Umkehr war in den vergangenen Jahren oft, ja viel zu oft die Rede. "Einen neuen Aufbruch wagen" hieß zum Beispiel das Motto des Katholikentages 2012 in Mannheim. Aber eine nennenswerte Aufbruchsstimmung ist danach bekanntlich nicht entstanden.

Zu Umkehr haben Bischöfe und Kardinäle mehr als einmal aufgerufen, ohne dass Taten folgten. Wenn nun der Synodale Weg lediglich ein weiterer Gesprächsprozess wird, wäre das zu wenig. Der Bibelsatz "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen" ist daher aktueller denn je. Appelle und Forderungen gab es genug, auch an Analysen zur Vertrauenskrise mangelt es nicht. Sondern an der Umsetzung.

Wenn die 230 Delegierten in Frankfurt am Main heftig um den richtigen Weg streiten, ist das gut so. Das ist in der Kirchengeschichte öfter vorgekommen. Aber wenn alle Debatten faktisch in ein "Weiter so" münden, wenn der Eindruck entsteht, der Minderheit der Bremser gelinge es mit Tricks zu blockieren, dann werden sich auch die geduldigsten Wohlmeinenden abwenden. Jene, die von der befreienden Botschaft des Evangeliums durchaus überzeugt und inspiriert sind, aber nicht vom aktuellen Zustand ihrer Kirche. Dann kann man ihnen nur raten, sich auf das zu konzentrieren, was in der eigenen Gemeinde, in der eigenen Region, im eigenen Umfeld möglich ist.

Nicht alles, aber manche Überlegung beim Synodalen Weg hängt an Rom. Die Corona-Pandemie hat Besuche von Vertretern der Synodalversammlung im Vatikan erschwert, was bedauerlich ist. Denn nicht mit Briefen, nur in direkten Gesprächen lässt sich um Verständnis werben. Weil das, was an Vorschlägen auf der Tagesordnung steht, ja kein Selbstzweck ist. Sondern vom Grundgedanken bestimmt, das Evangelium in die heutige Zeit umzusetzen.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.