Heiner Koch spricht vor Journalisten.
Bild: © KNA
Am Sonntag startet die Pfingstaktion des Hilfswerks Renovabis

Für ein solidarisches Europa

Hilfswerke - Am Sonntag ist offizieller Start der Pfingstaktion des Osteuropa-Hilfswerkes Renovabis. Die Aktion steht unter dem Leitwort "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern". Damit will Renovabis besonders an den politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa vor 25 Jahren erinnern. Doch auch die aktuellen Konflikte spielen eine Rolle.

Dresden - 15.05.2014

Das Leitwort sei sehr bewusst gewählt worden, erläuterte der Dresdner Bischof Heiner Koch bei der Vorstellung der AKtion am Donnerstag in Dresden. Er ist seit der letzten Bischofsvollversammlung Vertreter der Bischofskonferenz bei Renovabis. So sei das Leitwort auch in Anklang an die friedliche Revolution vor 25 Jahren mit dem Zusammenbruch der Mauer zwischen den deutschen Ländern und dem Eisernen Vorhang gewählt worden. Die diesjährige Renovabis-Aktion sehe er nicht als Rückblick auf die Geschichte, sondern als "lebendige Gegenwart".

Anwesend bei der Pressekonferenz war auch der aus Deutschland stammende Bischof Clemens Pickel, der Bischof in Südrussland ist. Er zeigte sich besonders betroffen über die Lage in der Ukraine. "Es ist sehr traurig, was dort passiert", sagte er. Das Misstrauen zwischen den Staaten wachse, so auch zwischen Russland und der Ukraine. Man müsse jedoch auch versuchen, Russland zu verstehen, ergänzte Pickel, der seit 1990 in Russland lebt und arbeitet.

Dartmann: Die Regime haben nur ihre Kostüme gewechselt

In Erinnerung an den Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs kritisierte der Jesuit Stefan Dartmann, Hauptgeschäftsführer bei Renovabis, den Wandel in Mittel- und Osteuropa. Die Situation in den ehemals kommunistischen Ländern sei sehr unterschiedlich. Wirtschaftlich stärkere Länder wie Polen und Lettland seien mit Ländern wie Albanien nicht zu vergleichen. Hier seien teilweise sogar Rückwärtsentwicklungen feststellbar, so Dartmann. "Die alten Eliten haben mancherorts wieder in ihre Positionen gefunden. Die Regime haben nur ihre Kostüme gewechselt."

Plakat zur Renovabis-Pfingstaktion 2014
Bild: © Renovabis

Plakat zur Renovabis-Pfingstaktion 2014

Entscheidender Punkt im Kampf gegen Armut sei Bildung, sagte Dartmann. Deshalb engagiere sich Renovabis überwiegend in diesem Bereich und unterstütze Schulen, Ausbildungsprojekte und vergebe Stipendien. An der Spitze der unterstützten 29 Länder stehe die Ukraine, gefolgt von Rumänien und Albanien.

Armut wird ein immer größeres Thema

Zu Gast bei der Pressekonferenz in Dresden war auch Ruzena Kavkova, Direktorin des Caritasverbandes der Diözese Leitmeritz in Tchechien. 25 Jahre nach der Wende sei leider feststellbar, dass ein neuer Typ von Politikern an die Macht komme, sagte sie. "Diesen Politikern geht es vor allem darum, reich zu werden", sagte sie. Armut in der Bevölkerung werde daher ein immer größeres Thema. Die Caritas Leitmeritz kümmert sich unter anderem um rund 200.000 Romas, die in Ghettos in den Grenzregionen Tchechiens leben.

Nach wie vor gehe es auch immer noch um die Überwindung bis jetzt bestehender "Mauern in den Köpfen", die das Zueinander und Miteinander von Menschen im Osten und Westen Europas behindern würden, sagte Geschäftsführer Dartmann. "Wir von Renovabis sehen uns hier gefordert, zur Begegnung und zum Austausch – wo nötig auch zur Versöhnung – beizutragen." Durch menschliche Brücken sollen noch vorhandene Gräben und Mauern überwunden werden. Dies gehöre seit je her zum partnerschaftlichen Anliegen von Renovabis.

Die Renovabis-Pfingstaktion startet am Sonntag mit einem Gottesdienst in Dresden, der live von katholisch.de übertragen wird. Hauptzelebrant ist Bischof Heiner Koch. Ende des Aktionszeitraums ist der Pfingstsonntag (8. Juni). An diesem Tag wird in allen deutschen Gemeinde die Kollekte für Renovabis gesammelt. (mk/som)