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Standpunkt

Wohin soll der Synodale Weg führen?

Alternative Textvorschläge, Resignation bei manchen Synodalen, Verwirrung bei den Abstimmungen – und dann noch Teilnehmer, die zu früh abreisen. All das werfe die Frage auf, wohin der Synodale Weg überhaupt führen soll, kommentiert Julia Martin.

Von Julia Martin |  Bonn - 05.10.2021

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Von der zweiten Synodalversammlung des Synodalen Wegs bleibt ein fader Beigeschmack. Zumindest für Außenstehende. Bereits am Samstag beherrschte der Eklat um die fehlende Beschlussfähigkeit aufgrund zu früher Abreise vieler Synodalen die Berichterstattung. Doch das gesamte Vorhaben bekommt, zumindest in weltlichen Medien, ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Analysen bescheinigen dem Gremium eine "bornierte Selbstzufriedenheit" (Welt) oder die "(…) übliche(n) Selbstzufriedenheit des Gremienkatholizismus" (FAZ).

Bereits im Vorfeld wurde das zweite Treffen durch alternative Textvorschläge überschattet. In den ersten Redebeiträgen wurde auch eine gewisse Resignation gepaart mit Kampfgeist bei den Synodalen deutlich. Der Versprecher "Der Weg entgeht beim Stehen" (gemeint war "Der Weg entsteht beim Gehen") scheint auch intern ins Schwarze getroffen zu haben.

Das Ziel, Vertrauen nach der Missbrauchskrise herzustellen und mit Ergebnissen der MHG-Studie zu arbeiten, wird nicht nur durch die oben erwähnten Alternativtexte und entsprechende Wortmeldungen konterkariert. Vielmehr zieht sich ein gewisses Unverständnis über Texte und Änderungsanträge durch jedes "Lager" der Synodalversammlung. So sind dort Berichterstattungen zufolge bereits Abstimmungen über den Handlungstext "Gemeinsam beraten und entscheiden" gelaufen, obwohl "man nicht wisse, über was eigentlich abgestimmt werde" (katholisch.de).

Einen ebenfalls bezeichnenden Satz sagte Sarah Henschke vom Bundesverband der GemeindereferentInnen am Freitag: "Solange wir noch alle da sind, hat dieser Weg auch eine Chance und wir kommen voran". Vor dem Hintergrund des samstäglichen abrupten Endes bekommt dieser eine ganz neue Bedeutung.

Unabhängig von inhaltlichen Diskussionen und der Frage nach der Verbindlichkeit der Beschlüsse drängt sich nach der zweiten Synodalversammlung vermehrt die Frage auf, wohin der Synodale Weg insgesamt führen soll – vor allem wenn gewählte und berufene Mitglieder selbst die Versammlung so früh verlassen.

Von Julia Martin

Die Autorin

Julia Martin ist Pressesprecherin der Benediktinerabtei Münsterschwarzach.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.