Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand für Sozial- und Fachpolitik im Deutschen Caritasverband, am 26. August 2021 in Berlin.
Erstmals Frau an der Spitze des Sozialverbands

Eva Maria Welskop-Deffaa zur neuen Caritas-Präsidentin gewählt

Der Deutsche Caritasverband hat gewählt: Künftig wird Eva Maria Welskop-Deffaa neue Präsidentin der Caritas und damit die Sozialpolitik Deutschlands mitprägen – von Pflege bis Migration gibt es viel zu tun für die neue Chefin.

Freiburg - 13.10.2021

Der Deutsche Caritasverband (DCV) wird künftig von Eva Maria Welskop-Deffaa als Präsidentin geleitet. Wie der Verband am Mittwoch mitteilte, wurde die Volkswirtin im zweiten Wahlgang durch die Delegiertenversammlung zur Nachfolgerin von Prälat Peter Neher gewählt, der nach 18 Jahren nicht mehr zur Wahl stand. Der Caritas-Vorsitz ist eine der wichtigsten Positionen in der katholischen Kirche in Deutschland und in der Sozialpolitik. In einer ersten Reaktion nach der Wahl sagte Welskop-Deffaa, sie freue sich darauf, mit dem Verband ein nächstes Stück Innovationsgeschichte zu schreiben. "Not lindern und verhindern, das ist unser Programm", so die neugewählte Präsidentin. Als Prioritäten ihres Mandats kündigte sie die Themen Digitalisierung auf allen Ebenen des Verbandes, sozial gerechter Klimaschutz, Sicherung einer engmaschigen sozialen Infrastruktur und Wahrnehmung der internationalen Verantwortung des Deutschen Caritasverbandes an.

Welskop-Deffaa ist bereits seit 2017 Teil des Caritas-Vorstands mit der Zuständigkeit für Fach- und Sozialpolitik und befasste sich bereits dort besonders mit der Digitalisierung. Zuvor arbeitete die Volkswirtin für katholische Verbände, war Abteilungsleiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit im Bundesfamilienministerium und vier Jahre lang im Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di. Im Interview mit katholisch.de kündigte sie an, einen Schwerpunkt auf Beteiligung zu legen. "Es gilt, neue Beteiligungsformate in den Wohlfahrtsverbänden zu schaffen, damit wir nicht nur über Menschen mit Behinderung, mit Armutserfahrung, mit Suchtproblemen… reden, sondern mit ihnen, und Räume eröffnen, wo sie ihre Interessen selbst vertreten können", so die 62-jährige gebürtige Duisburgerin.

Die neue Präsidentin wird ihr Amt bereits Mitte November antreten. Kandidiert hatten außerdem der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes und der Trierer Krankenhausdirektor Markus Leineweber. Alle Kandidaten sprachen sich für eine Stärkung des Standorts Berlin aus, ohne den traditionellen Sitz der Caritas in Freiburg aufgeben zu wollen.

Neue Spitze nach drei Amtszeiten

Der bisherige Präsident Neher trat nach drei Amtszeiten ab. Vor seiner Weihe absolvierte der Augsburger Diözesanpriester eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Nach Stationen in der Pfarrei- und Krankenhausseelsorge, als Subregens und Diözesancaritasdirektor in Augsburg wurde der promovierte Theologe 2003 zum Präsidenten der Caritas gewählt. Er ist Berater der Kommission für karitative Fragen der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied des Päpstlichen Rates "Cor Unum", der die Aktivitäten der Kirche im Bereich der Fürsorge weltweit koordiniert. Der 66-jährige will auch nach Ende seiner Amtszeit am Sitz der Caritas in Freiburg im Breisgau bleiben und wird dort in der Priesterseelsorge tätig sein.

Die Delegiertenversammlung des DCV ist das höchste beschlussfassende Gremium des Verbandes und besteht aus bis zu 199 Delegierten aus den verschiedenen Mitgliedsgruppen des Verbandes. In der Caritas sind gut 25.000 Einrichtungen mit fast 700.000 Mitarbeitern organisiert, dazu kommen mehrere Hunderttausend Ehrenamtliche. Sie wird geleitet durch den Präsidenten als Vorstandsvorsitzenden, der den Verband in Kirche, Staat und Gesellschaft repräsentiert und jeweils für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt wird. Erstmals standen bei der diesjährigen Wahl auch Laien zur Wahl. (fxn)