Kardinal Kasper sitzt vor seiner Bücherwand
Himmelklar – Der katholische Podcast

Kasper zu seiner Rolle in Rom: Ab 80 ist man "quasi kanonisch tot"

Seine gute Beziehung zu Papst Franziskus ist ein offenes Geheimnis. Heute rufe der Pontifex aber nur noch selten an, erzählt Kardinal Walter Kasper im Podcast. Auch er bekomme zu spüren, dass man ab 80 in Rom "kirchenrechtlich abgemeldet" sei.

Von Renardo Schlegelmilch |  Köln - 13.10.2021

Aufgewachsen ist er vor dem Krieg, hat das Zweite Vatikanische Konzil aktiv miterlebt und ein Arbeitsleben lang mit Joseph Ratzinger verbracht – heute gilt der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper als Vertrauter von Papst Franziskus. Im Interview blickt der frühere Dogmatikprofessor und langjährige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen auf sein bewegtes Leben in Deutschland, Rom und der Weltkirche.

Frage: Die Medien sprechen gerne davon, dass Sie eine enge Beziehung zu Papst Franziskus pflegen. In seinem ersten Angelus-Gebet hat er von seinem großen Respekt für Sie gesprochen. – Wie sieht diese Beziehung aus?

Kasper: Ich kannte ihn und er kannte mich schon, bevor er Papst war. Ich habe ihn in Buenos Aires zweimal getroffen und auch gesprochen. Er kannte auch meine Position, was wiederverheiratete Geschiedene angeht, schon vorher. Dass er mich beim ersten Angelus erwähnt, hatte mich aber doch überrascht. Das wusste ich vorher nicht. Ich habe es im Fernsehen gesehen und mich gefragt: Was sagt er da?

Aber da ist schon eine Basis des Vertrauens da. Das heißt aber nicht, dass wir immer so viel miteinander zu tun haben. Ich gehe zum Papst, wenn er mich ruft. Er ruft ja selber an ohne Vermittlung – "hier Papst Franziskus". Beim ersten Mal habe ich gedacht: Da nimmt dich einer auf den Arm. Aber dann gehe ich natürlich rüber. Wenn er mich fragt, dann muss ich die Antwort geben, von der ich überzeugt bin. Aber das ist in letzter Zeit ganz selten vorgekommen. Wenn man 80 wird, ist das quasi der kanonische Tod in Rom. Dann ist man kirchenrechtlich abgemeldet, und das spüre ich auch.

Also, persönlich haben wir nicht viel miteinander zu tun. Aber er weiß, dass ich ihm vertraue, dass ich hinter ihm stehe, und er ist einverstanden mit mir. Das genügt mir. Ich nehme keine Einflüsse auf irgendwelche Entscheidungen, auch nicht, was Deutschland angeht. Das tue ich nicht. Wenn er mich fragen würde, – einmal hat er mich gefragt und da habe ich auch gesagt, was ich denke. Aber sonst, das mache ich nicht: Lobbyarbeit und Klinken putzen, das liegt mir nicht. Gehe nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst!

Das vollständige Gespräch mit Kardinal Kasper können Sie hier nachhören:

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Von Renardo Schlegelmilch