Schachfigur
Standpunkt

Das Priestertum auf dem Synodalen Weg nicht infrage stellen

Mit knapper Mehrheit wurde beim Synodalen Weg dafür gestimmt, auch die Notwendigkeit des Priestertums zu diskutieren. Martin Rothweiler wertet das als Infragestellung, die an das Wesen der Kirche rühre – und der dringend Einhalt zu gebieten sei.

Von Martin Rothweiler |  Bonn - 19.10.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Stellen wir uns vor, eine Expertenkommission wird beauftragt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob es wegen seines CO2-Ausstoßes angesichts des Klimawandels den Verbrennungsmotor überhaupt braucht. Dann würde jeder unzweifelhaft verstehen, dass es hier um die Frage der Existenzberechtigung besagten Motors geht. Und diesem geht es tatsächlich an den Kragen. 

Nun wurde auf der zweiten Synodalversammlung in Frankfurt mehrheitlich entschieden, und zwar – man höre und staune! – mit Empfehlung der Antragskommission, dass das Forum"Priesterliche Existenz heute" sich mit der Frage auseinandersetzen solle,"ob es das Priesteramt überhaupt braucht".  

Hier geht es ans Eingemachte, an das Selbstverständnis von Kirche und Priestertum. Man kann diese Infragestellung des Priestertums nicht einfach als Fehlinterpretation abräumen, wie Bischof Georg Bätzing es auf der abschließenden Pressekonferenz versucht hat. Einen solchen Antrag stellt man nicht, wenn es nur darum ginge, die Bedeutung des Priesteramts inmitten des Volkes Gottes zu stärken. Der Antragskommission und den Synodalen muss man wenigstens noch zutrauen dürfen, einen Antrag so zu formulieren und zur Entscheidung zu stellen, wie er gemeint ist. Katholiken, ob Teilnehmer oder Beobachter, müssen schon noch ernst nehmen dürfen, was auf dem Synodalen Weg verhandelt wird. Und das bereitet zunehmend große Sorge. Dabei ist die Frage nach dem Priesteramt nur die Spitze des Eisbergs.  

Dankbar kann man allenfalls für den Freimut auf der Versammlung sein, weil er deutlich macht, zu welch zweifelhaften und die Kirche in ihrer Identität in Frage stellenden Entschlüssen Mehrheiten der Synodalversammlung in der Lage sind. Die Erwartungen der Synodalen an das Veränderungspotential des Synodalen Wegs hinsichtlich der Struktur der Kirche sind immens. Wer es für möglich erachtet, dass das Priesteramt überflüssig ist, hat von der katholischen Kirche allerdings nicht viel verstanden und lässt den Stifterwillen Jesu außer Acht, wie er über Jahrhunderte von der Kirche verstanden und vertieft worden ist. Man fragt sich: Auf welcher Grundlage wird hier überhaupt diskutiert, die Voraussetzung für die"Unterscheidung der Geister" ist? Jedenfalls klingt das alles nicht nach Reform, sondern nach Dekonstruktion von Kirche und Neubau nach eigenen Wünschen und Vorstellungen. Das ist nicht die Synodalität, die Papst Franziskus mit dem nun angestoßenen weltweiten Prozess meint. Bischof Bertram Meier hat es in einer Predigt jüngst so formuliert: "Wenn wir eine Kirche ohne sakramentales Amt wollen, brechen wir ihr das Genick. Sie wird gebückt, verkrümmt, geht weder aufrecht noch aufrichtig ihren Weg. Sie hat keine Kraft mehr, gegen den Strom zu schwimmen. Sie wird mitgerissen von den Wellen der gängigen Meinungen." Ein geistlicher Einhalt ist dringend geboten.

Von Martin Rothweiler

Der Autor

Martin Rothweiler ist der Programmverantwortliche des katholischen Fernsehsenders EWTN Deutschland.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.