Wie uns die Heiligen heute noch inspirieren können
Gedanken zu Allerheiligen

Wie uns die Heiligen heute noch inspirieren können

Spiritea - Der Tag Allerheiligen erinnert an die zahlreichen Heiligen, die in vielen Jahrhunderten für ihren Glauben eingestanden sind. Doch was können uns diese Figuren aus längst vergangener Zeit heute sagen? Es ist eine Inspiration, die wir von ihnen lernen können.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 01.11.2021

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An Allerheiligen fahren viele Menschen auf den Friedhof, um ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken – dabei ist dafür ja eigentlich der zweite November, Allerseelen, gedacht. Diese Praxis ist aber kein Wunder, denn Allerheiligen, also der Gedenktag für alle Heiligen, ist doch für manche etwas sperrig. Heilige, das sind die Figuren in alten Kirchen, die Stäbe und Blumen in der Hand halten, die viele mit einer Mischung aus Verwunderung und Irritation anblicken.

Denn mit den Heiligen ist es so eine Sache: Einerseits haben viele Menschen schon einmal etwas von der Lebensgeschichte des einen oder der anderen Heiligen mitbekommen. Dem heiligen Hubertus erschien das Kreuz an einem Hirsch, der heilige Christophorus trug das Jesuskind durch einen Fluss und die heilige Edith Stein starb im Konzentrationslager. Doch andererseits wirkt das Leben der Heiligen oft weit weg vom Alltag: Sie wurden für ihren Glauben verbrannt, stifteten Klöster, widmeten ihr ganzes Leben den Armen und Benachteiligten. Wie sollen Heilige heute Vorbilder für Durchschnittsmenschen sein?

Von vielen Heiligen trennen uns heute die Zeit und die Lebensumstände. Wer in der Antike zur Zeit der Christenverfolgung Christ war, lief leicht Gefahr, dafür zu sterben. Frauen hatten in Mittelalter nichts zu sagen in der Gesellschaft, da lag die Gründung eines Klosters allein schon deshalb nahe, um einigermaßen selbstbestimmt leben zu können. In westlichen Ländern sehen die Lebensumstände heute schlicht fundamental anders aus als damals: Wer in Deutschland heute Christ ist, kann seiner Religion ohne Sorge vor Repression nachgehen.

Botschaft der Heiligen für unsere Zeit

Die Botschaft der Heiligen für unsere Zeit ist heute wohl eine andere – eine, die überzeitlich ist. Viele von ihnen haben die bestehenden Verhältnisse ihrer Zeit hinterfragt: Herrschaftsverhältnisse, Dispositionen in Politik, Gesellschaft und Glauben. Das gefällt traditionell nicht jedem – vor allem nicht in feudal oder autoritär regierten Ländern. Doch die Heiligen haben sich davon nicht beeindrucken lassen. Zu dem, was sie getan haben, gehörte immer eine gehörige Portion Optimismus: dass man die Welt doch verändern kann, dass es wirklich möglich ist, spirituell und menschlich im Einklang mit sich selbst zu leben.

Wandgemälde der heiligen Hildegard von Bingen

Die heilige Hildegard von Bingen machte sich unter anderem durch ihre Naturheilmittel und geistliche Lieder einen Namen.

Die Geschichten der Heiligen erzählen von Aufbrüchen, von Umkehr – an ganz unterschiedlichen Stellen des Lebens. Es sind diese Momente, die auch für uns heute noch entscheidend sind: Man selbst sein, im Reinen mit sich – wie gut es darum bestellt ist, offenbart sich oft in Krisen- oder Konfliktsituationen.

Wir Menschen im 21. Jahrhundert müssen uns in den seltensten Fällen vor Gericht verantworten, wenn wir diese Fragen stellen. Die Fragen sind aber geblieben und nichtsdestoweniger können die Heiligen für uns Ansporn sein: um die Welt um uns herum zu hinterfragen, immer neugierig, auf der Suche sein – und dabei die Zuversicht haben, dass unser Tun nicht umsonst ist. Dass auch der Einzelne etwas bewegen kann.

Wessen Blick also in einer Kirche auf die so oft barock verzückt schauenden Heiligenfiguren schaut, sei gesagt, dass es sich lohnt, in die Geschichten hinter den wallenden Gewändern zu schauen. Denn dort warten Menschen, die sich ähnliche Fragen gestellt haben wie die der Menschen unserer Zeit – und die darauf starke Antworten gefunden haben. Vielleicht ist ja Allerheiligen der richtige Anlass, sich mit diesen Fragen mal wieder intensiver auseinander zu setzen.

Von Christoph Paul Hartmann

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