Schachfigur
Standpunkt

Lehren aus Ägypten für eine synodale Kirche

Wie können Leitungsmodelle in der Kirche aussehen? Zu dieser Frage hat sich Abtpräses Jeremias Schröder in Ägypten inspirieren lassen. Die dortige koptisch-katholische Kirche ist synodal organisiert – das scheint dem Leben der Kirche gut zu tun.

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 25.10.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Letzte Woche war ich in Ägypten Die dortige kleine aber recht selbstbewusste koptisch-katholische Kirche hat schon lange eine synodale Struktur.

Eine entscheidende Rolle, die bei uns bislang kaum diskutiert wird, kommt dabei dem Oberhaupt dieser synodalen Kirche zu. Das ist der Patriarch von Alexandrien. Ihm untersteht die bevölkerungsmäßig größte Diözese im Land, mit den zwei Metropolen Kairo und Alexandrien. Aber er trägt auch Verantwortung für das ganze Land. Als Patriarch trägt er kraft Titel und Persönlichkeit zur Gestaltung des katholischen Lebens bei: unter seiner Führung gibt es eine zentrale Priesterausbildung, pastorale Koordination, und auch die Begleitung der ersten monastischen Gemeinschaft im Land – und zwar im Interesse des ganzen Landes, jenseits der Partikularinteressen der einzelnen Bistümer.

Gewählt wird der Patriarch von der Synode, aus dem Kreis der Bischöfe. Weil die übergeordneten Aufgaben fürs ganze Land ihn weitgehend in Beschlag nehmen, hat er einen eigenen Weihbischof, der die Patriarchatsdiözese leitet.

Diese personal gestaltete Verantwortung wird dort als wesentlicher Teil der Synodalstruktur von Kirche verstanden. Bei den zeitgenössischen synodalen Diskussionen – in Deutschland oder auch weltkirchlich – ist von diesem Thema bislang aber sehr wenig zu hören.

So ein Patriarchatsmodell (oder eine neuzeitliche Form desselben) entspricht nicht unbedingt der Leitungslogik, die sich aus dem Verbandswesen herleitet. Aber sie deckt sich mit der Erfahrung vieler Ordensgemeinschaften, dass kollektive Verantwortung nur im Zusammenspiel mit starker personaler Leitung etwas Brauchbares erzeugt. Und so ein Patriarchatsmodell relativiert die doch oft etwas unergiebige Totalautonomie der "Nachfolger der Apostel". Die hat zwar ehrwürdige theologische Quellen. Aber da schwingt auch noch etwas von der Kleinstaaterei unser alten Fürstbistümer mit. Dem Leben der Kirche in Ägypten scheint diese patriarchal-synodale Kirchenstruktur jedenfalls ganz gut zu tun.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.